Wie die akademische Welt an ihrer Außenwirkung arbeitet

Die Zeiten für Akademiker sind aktuell nicht sonderlich prickelnd, um es mal deutlich auszudrücken. In unserer modernen Zeit sind immer mehr Leaks von immer mehr wissenschaftlichen Arbeiten zu finden, gleichzeitig versuchen immer mehr Magazine, diese Artikel gewinnbringend zu vertreiben, ohne dass die Macher dahinter allzu viel davon bekommen.

Hinzu kommt noch, dass die Wissenschaft im Allgemeinen immer mehr in Frage gestellt wird, von Konsorten wie Trump, Xi und wie die ganzen Leugner der Klimakatastrophe heißen. Wer heutzutage Akademiker ist und sein will, der muss sich eine dicke Haut erarbeiten, um weiterhin erfolgreich forschen zu können. Immerhin aber darf diese Haut bedeckt sein wie man will – denn soziale Stigmata durch Tattoos und Piercings sind auch in der Akademikerwelt nicht mehr länger höchstens am Rande tolerierbar.

Die Akademie ist nicht mehr versteckt

Was auffällt: besonders in den sozialen Wissenschaften wie Soziologie oder Ethnografie finden sich immer mehr Menschen, die vielleicht auch nicht die alltägliche akademische Ausbildung genossen und absolviert haben, sondern die sich eher durch ihre Forschung und Erfahrung einen Platz an den Lehrstühlen verdient haben. Ob man daraus schließen kann, dass diese Personen eine größere Neigung zum Körperschmuck haben sei dahingestellt, aber es zeigt oft, dass die weniger linear verlaufenden Karrieren meist mit Nebengeräuschen kommen. Zudem haben mehrere Studien herausgefunden, dass Tattoos als gesund und sinnig für Menschen eingestuft sind, da man es hier mit entscheidungsfreudigen Personen zu tun hat. Zudem wissen diese meist über die langfristigen Implikationen von Tinte unter der Haut, der Entscheidungsprozess ist also konsequenter und man geht gewissenhafter damit um. Von sozialen Wirkungen zu sprechen erscheint also ein wenig ausufernd.

Probleme bei der Jobwahl?

Noch vor wenigen Jahren war es der Grundtenor, dass man in „anständigen“ Berufen keine Tattoos haben sollte – zumindest keine im Alltag sichtbare. Nun, das hat sich mittlerweile fast grundlegend geändert. Da immer mehr Menschen diese Arten von Körperschmuck wählen, sind sie automatisch zu einer für die Marktwirtschaft interessante Zielgruppe geworden. Immer öfters sieht man in Werbekatalogen und im Netz Menschen mit (viel) Tinte auf der Haut, mit dem Ziel, die richtigen Menschen anzusprechen. Man kann also durchaus sagen, dass Menschen mit lebenslangen Zeichnungen eine eigene Gruppe darstellen. Nur eben nicht so, wie man es vor wenigen Jahren noch erwartet hätte. Probleme bei der Jobwahl werden daher auch 2019 immer weniger, vorausgesetzt man bewirbt sich nicht mit Gesichts Tattoos für Pflegeberufe und solche mit Kindern, denn da sind die Grenzen immer noch ein wenig rigoroser.

Trend geht zur Tinte

Schätzungen zur Folge hat mittlerweile fast jeder fünfte Mensch in Deutschland ein oder mehrere Tattoos. Im Durchschnitt kommen also 20% der Bewerber für akademische Stellen mit Tinte zum Interview. Doch dies ist keine Hürde mehr, denn viele Institute haben es verstanden, dass Körperschmuck und akademische Fähigkeiten auch Hand in Hand gehen können. Um noch mal auf die Sozialwissenschaften zurückzukommen: besonders bei jenen Forschern, die mit anderen Kulturen arbeiten zeigt sich oft, dass Tinte auf der Haut ein Türöffner sein kann, da viele Gruppen und Stämme ihre ganz eigene Art der Verzierungen haben, die es zu erforschen gilt. Es gibt also durchaus Gründe, in der akademischen Welt mit weniger Scheuklappen zu arbeiten und die Forscher einfach Forscher sein zu lassen.

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