Wider die Dunkelheit

Obacht, hier geht es um Band 3, Band 1 und Teil 2 findest du unter den entsprechenden Links.

Alina, Mal und die Grisha finden sich in der Weißen Kathedrale wieder, einer gigantischen Höhle tief in der Erde. Doch anstatt den Kampf gegen den Dunklen fortzuführen, muss Alina sich vom letzten Schlag in der Kapelle erholen, bei dem sie sich fast selbst geopfert hätte, um den Dunklen zu töten. Der Asket nutzt diese Schwäche, um sie als “seine” Heilige zu inszenieren, um Massen an opferungswilligen Gläubigen zu sammeln. Das schmeckt Alina überhaupt nicht. Sie weiß, dass sie keine weiteren Leben mehr auf ihre Kappe nehmen möchte und der Dunkle kein Problem mit Massenmord hat. Was also tun? Sie brechen aus! Denn eines ist sicher: Der große Endkampf steht allen noch bevor und wer überlebt, das steht in den Sternen …

Der finale Leseeindruck

Ein sich abzeichnendes Ende baut naturgemäß Anspruchshaltung auf: Groß muss es werden, episch und logisch. Die offene Frage dabei bleibt immer – wird die Geschichte final zur Feelgood-Story oder geht die Autorin den schweren Weg eines emotionalen, aber nicht durchwegs positiven Endes?

Ein wenig ausführlicher hätte das Ende dann schon sein können, da eine bestimmte magische Handlung ausgelöst wird (Spoilervermeidungs-Formulierung), die viele normale Menschen betrifft. Bleibt diese Wirkung erhalten, wie ergeht es diesen Menschen, wie geht es mit den Kräftemehrern weiter? Das wäre durchaus noch sehr interessant für den Hintergrund gewesen. Der weitere Hintergund aber, beispielsweise das Land Ravka, wird voll ausgespielt – von tiefen Höhlen, engen Tunneln, Städten, weiten Grasflächen bis hin zu schwindeligen Höhen in Gebirgen. Die Autorin nutzt ein breit gefächertes Portfolio, um ihre Charaktere durch die Hölle und zurück zu schicken und verschiedene Entwicklungen sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Durch den Fokus auf Mal und Alina kommen manchmal sehr nette Nebendarsteller etwas kurz weg, hier hätte man durchaus den dramatischen Effekt des Endes erhöhen können, indem man deren emotionales Leid/Glück näher beleuchtet hätte.

Aber insgesamt ein sehr interessantes Ende, weil es auf bombastische und damit im Sinne dieser Geschichte übertriebene Elemente verzichtet. Leigh Bardugos Schreibstil passt zu ihren Charakteren: Nicht maximal episch, sondern eine Mischung aus malerisch und rational. Eine echte Wohltat für alle Leser, die nicht einfach ein Märchen erzählt bekommen wollen, sondern eine Geschichte, in der die Helden einfach auch nur Menschen sind.

Sehr süß ist auch der Perspektivenwechsel am Ende jedes Buchs: Statt von der Sonnenkriegerin und dem starken Soldat zu sprechen, werden Mal und Alina plötzlich zu “dem Jungen und das Mädchen”. Das verdeutlicht einmal mehr, dass sie trotz all der großen Abenteuer nach wie vor einfache Menschen “wie du und ich” sind, die nicht um Ruhm und Kämpfe gebettelt hatten. Sie sind keine Helden, keine übernatürliche Wesen, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Daran können auch die Geschichten, die über sie erzählt werden, nichts ändern. Und es erklärt ganz nebenbei, dass Charaktere in einem Buch, obgleich künstliche Geschöpfe, nicht perfekt konstruiert werden sollten. Sie sind kein Sinnbild, in einer authentischen Erzählung haben sie nicht nur heldenhafte Stärke, sondern auch Schwächen und reguläre menschliche Neigungen. Das ist in Sachen Charakterentwicklung etwas, was die Bücher von Leigh Bardugo auszeichnet. Ganz hervorragend!

Leigh Bardugo. Lodernde Schwingen.
Knaur. 12,99 Euro.

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