Alles ist Mathe

Cas Russel ist ein Mathegenie. Sie sieht ständig mathematische Gleichungen vor ihren Augen tanzen, sodass sie immer genau berechnen kann, wie sie sich bewegen und verhalten muss, um etwas zu erreichen. Vermutlich ist sie deshalb so gut in ihrem Job. Sie ist im Wiederbeschaffungsgeschäft und scheint diese Aufträge immer sehr effektiv durchzuführen. Dafür geht sie auch über Leichen. Das Kuriose an der Sache: Sie ist erst 23.
Doch der aktuelle Auftrag scheint sie in größere Schwierigkeiten zu bringen, als gedacht. Sie legt sich mit einer Organisation an, die mithilfe von Gedankenkontrolle und Gehirnwäsche die Welt zu einem besseren Ort machen möchte. Doch dabei gehen diese Leute noch viel stärker über Leichen und Cas ist sich zunächst nicht sicher, warum sie in die Sache hineingezogen wurde – und ob ihre Gedanken noch ihre eigenen sind.

Fazit
Die Hauptfigur Cas Russell ist ziemlich anstrengend. Ihr Charakter ist fragwürdig, da sie am liebsten alles mit Gewalt löst und obwohl sie es doch sehr häufig zur Schau stellt, gerne verbergen möchte, wie gut sie doch in Mathe ist. Die Hintergrundgeschichte, woher sie das kann und wer sie überhaupt ist, wird einmal kurz angerissen, aber nicht aufgelöst, da es sich um etwas dreht, an das sie sich nicht erinnern darf. Was sehr schade ist, denn so wird der Leser, ohne die vermutlich sehr interessante Infos stehen gelassen und wundert sich, dass auf einmal das Buch zu Ende ist. Möglicherweise ist eine Fortsetzung geplant, sonst wirkt es auf mich so, als wären dem Autor auf halbem Weg die Ideen ausgegangen. Insgesamt tritt Cas Russell wie eine Art Übermensch auf, die alles kann und eben über Leichen geht.

Die sympathischste Figur in diesem Buch ist meiner Meinung nach der Hacker Checker (allein der Name ein Kalauer), der zwar dem Klischee seines Berufsstands entsprechend beschrieben ist, aber im Gegensatz zu den beiden anderen wichtigen Männern der Story mit witzigen Anmerkungen und anderen Charakterzügen die Geschichte auflockert.

Wer einen Science Fiction-Thriller erwartet, wird vermutlich auch enttäuscht: Science Fiction wird erst am Ende kurz angerissen und da der Feind schnell bekannt ist, ist die Jagd nach ihm und alles drum herum sehr geradlinig. Für Verschwörungstheoretiker vielleicht ein spannendes Buch, in meinen Augen aber etwas zu langatmig und vorhersehbar geschrieben.

Franziska Huber (academicworld.net)

S.L. Huang. Nullsummenspiel
Heyne. 10,99 Euro

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