Welche Aussagekraft haben Arbeitgeber-Rankings?

Kim Reinersdorf, Biologiestudentin aus Berlin, fragt: “Auf der Suche nach dem ersten Arbeitgeber trifft man immer wieder auf Rankings, welche die Güte von Arbeitgebern messen. Ein populäres ist die Erhebung des Berliner Trendence-Instituts, das nur Studierende befragt. Können diese aber überhaupt eine Aussage über einen Arbeitgeber machen, bei dem sie noch keine wirkliche Berufserfahrung sammeln konnten? Nehmen Personalexperten solche Studien ernst und kann man sich als Berufseinsteiger wirklich an der Trendence-Studie orientieren, um die Qualität eines Arbeitgebers abzulesen?”

Jede Information ist recht, wenn es gilt, den richtigen Arbeitgeber zu finden.

Gero Hesse, Vice President HR bei Bertelsmann, meint dazu:

„Betrachten wir einmal ein Ranking der Wirtschaftswissenschaften-Absolventen. Befragt werden in der Regel Studenten im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an den jeweiligen Zieluniversitäten der Rankinganbieter. Meist kommt hierbei eine Grundgesamtheit von etwa 8.500 sogenannter ‚examensnaher‘ Studenten in Deutschland zusammen. Die Bezeichnung ‚Absolventen‘ trifft somit nicht zu, denn die befragte Gruppe setzt sich eben nicht nur aus Absolventen, sondern auch aus Studenten niedrigerer Semesterränge zusammen.

Auf eine bestimmte Notenqualität oder praktische Erfahrungen mit den zu beurteilenden Unternehmen wird bei den beiden großen Rankings im deutschen Markt keine Rücksicht genommen. Die Anzahl der befragten Hochschulen, rund 100 bis 200, bildet nicht die gesamte Hochschullandschaft in Deutschland ab.

Ebenso interessieren Themen wie Berufserfahrung, Praktika oder Sprachkenntnisse nicht. Schaut man sich die Top 10 der Arbeitgeber-Rankings an, verwundert es also nicht, dass sich dort oft Firmen mit sehr bekannten Produktmarken wieder finden – was deren Attraktivität fördert. Als Personaler nehme ich die Rankings ernst, da sie Ansatzpunkte für die Verbesserung des eigenen Personalmarketings liefern. Als alleinige Informations- und Entscheidungsquelle für den Berufseinstieg eignen sie sich jedoch nicht.

Ein umfassendes Bild über den potentiellen zukünftigen Arbeitgeber erhält man beispielsweise auf der (Karriere-) Website des betreffenden Unternehmens, wo man alle Fakten aus der Perspektive des jeweiligen Unternehmens sowie aktuelle Geschäftsberichte findet. Auf Social Media Plattformen wie Facebook oder XING kann man meist direkten Kontakt zu Mitarbeitern und Ansprechpartnern aus der Personalabteilung knüpfen, Fragen stellen und erste Eindrücke bekommen.

Zudem empfehlen sich Arbeitgeber-Bewertungsplattformen wie kununu und jobvote sowie Recruiting-Events/Hochschulmessen, wo man ebenfalls direkte Gespräche führen kann. Letztendlich noch der Rat, sich auch auf das eigene Bauchgefühl bei der Wahl des Arbeitgebers zu verlassen. Schließlich muss man sich in einem Unternehmen wohl fühlen.“

Nach dem BWL-Studium und seinem Einstieg bei accenture, arbeitet Gero Hesse seit 2000 bei der Bertelsmann AG und ist dort als Senior Vice President für die Themen HR IT Systeme, interne Personaldienstleistungen, Betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Employer Branding zuständig. Er verantwortet die mehrfach ausgezeichnete Personalmarketing-Initiative „Create Your Own Career“.

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