Blut, Gold und Gesang

In einer mittelalterlich anmutenden Stadt namens Midea leben die “wilden” Zatarsi Seite an Seite mit den “zivilisierten” Mideanern – allerdings in streng getrennten Vierteln, denn zwischen beiden Gruppen kommt es immer wieder zu Spannungen. Als eine Angehörige des Zatarsi-Stammes trägt Elezei ein angeborenes Selbstbewusstsein in sich: Sie hat in so vielen Klingenduellen gesiegt, dass sie sich eigentlich ganz ihrer Musik widmen dürfte und keinem Erwerb nachgehen müsste. Leider stößt sie bei einem Spaziergang auf die Szene eines Überfalls auf Mideaner, in der sie trotz ihrer Unschuld wie die Täterin wirkt.

Die Hüter der Mideaner verfolgen sie, doch Elezei kann entkommen. Fortan muss sie sich von ihrem Stamm fernhalten und eine Weile unter dem Radar fliegen, bis sich die Wogen des Überfalls geglättet haben und hoffentlich der wahre Täter gefunden wurde! Nur leider sitzt jemand im Hintergrund, der die Fäden zieht und Elezei immer mehr in den Abgrund treibt – und da hilft es nichts, dass Elezei plötzlich Val an der Backe hat. Der entstammt seinerseits dem Mideaner Adel, trägt verfluchtes Blut in sich, neigt daher zu Berseker-artigen Kampfaktionen (wird außerdem auch von den Hütern gejagt) und tut sein Bestes, sie ganz und gar in den Wahnsinn zu treiben. Zusammen schlittern sie immer tiefer in die Misere und kommen dabei einem unfassbaren Geheimnis auf die Spur, das beide Völker für immer in den Krieg stürzen könnte …

Die Kritik

Die grundlegende Idee ist super – zwei halb verfeindete, halb sich duldende Völker auf engem Raum, die doch zusammen ein Ganzes ergeben. Jeweils ein Vertreter dieser Völker gerät in heftige Konflikte mit den Gesetzeshütern – für jede Menge Action und sich schnell entwickelnde Handlungsstränge ist also in erster Instanz gesorgt. Trotzdem braucht es anfangs etwas Geduld, um sich in diese völlig fremdartige Welt einzufinden. Vielleicht hätte hier und da eine kleine Erklärung noch etwas mehr Begeisterung und Neugier wecken können.

Ein wenig zu kurz gekommen sind für mich Traditionen wie die Klingenduelle, die oft angesprochen wurden, aber nie “live” passieren. Etwas Geduld muss der Leser auch aufbringen, um die Zusammenhänge zwischen der heißgeliebten Musik und dem Krieger-Dasein der Zatarsi zu verstehen. Bisweilen merkt man deutlich, dass hier eine bewusste Lücke geschaffen wurde, die allerdings bisweilen auch etwas irritiert und vielleicht etwas früher hätte aufgelöst werden können. Lohnt es sich, weiterzulesen? Auf jeden Fall. Ab zirka den zweiten Drittel platzt eine kleine Bombe, die den Lauf der Geschichte Mideas ganz umfassend verändern könnte. Ab diesem Zeitpunkt wird die Spannung auf das Ende noch mal deutlich gesteigert. Nicht nur, weil die Zusammenhänge erklärt werden, sondern noch ein explizites Sahnehäubchen oben drauf kommt. Mehr kann zwecks Spoiler einfach nicht verraten werden.

Das Ende ist zufriedenstellend, aber auch hier hätte man mehr daraus machen können – mit Sicherheit ist das auch Geschmacksfrage, aber wer so eine Fantasybombe zündet, sollte das damit verbundene Potenzial nutzen. Zumal es in einer Welt spielt, die in dieser Hinsicht keinerlei Grenzen gesetzt hätte. Interessant wäre zu wissen, warum sich die Autorin bewusst dagegen entschieden hat, daher eben Geschmacksfrage, wie sehr man das Ende aufbauschen möchte.

Diese Absätze klingen nun sehr negativ, jedoch ist der Schreibstil schlichtweg gut eingängig, die grundlegende Idee top und bis auf kleine Mankos, die jeder für sich einschätzen muss, eine rund erzählte, interessante Geschichte.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Julia Lange. Blutgesang. 
Droemer Knaur. 12,99 Euro.

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