Wenn Zynik der Überzeugung weicht

Lionel Page rennt vor seiner Vergangenheit weg – er ist Journalist und enthüllt Betrüger, die gutgläubige Menschen abzocken. Die meisten geben vor, über Magie zu verfügen oder sogar eine Gabe von Gott und lügen wie gedruckt. Lionel überführt sie und ihre Maschen ins Rampenlicht – bis eine gewisse Regina Dunkle ihn engagiert. Ein verschollenes Manuskript von Edgar Allan Poe ist aufgetaucht und soll für Dunkle sowohl verifiziert als auch gekauft werden – oder vernichtet, wenn es sich als Fälschung herausstellt.

Auf der Suche nach dem letzten Eigentümer stößt Lionel auf eine übel zugerichtete Leiche und eine junge Frau namens Maddie. Sie taucht immer wieder auf, bis sie erkennen, dass auch Maddie nach dem Manuskript sucht. Doch nicht nur pflastern Leichen ihrer beider Wege, sondern Hexen treten in Erscheinung, blutrünstige Geister und ein Mann mit unheimlich blauen Augen, der sie zu befehligen scheint …

Das Fazit vorab

… weil eines von Anfang an klar sein soll: Ein absolut geniales Buch, das jeder Fantasyfan gelesen haben sollte. Wunderbarerweise ein Einzelband.

Der erste Eindruck

Natürlich fühlt man bei Lionel sofort intensiv mit und versteht ihn. Wir selbst entstammen einer Welt vermeintlich ohne Magie, mit Rationalität erklärt man sich jeden Tag die verschiedensten Vorgänge und wenn jemand lügt, verdreht man mindestens die Augen. Lionel hasst die Betrüger mit einer Inbrunst und nutzt die Öffentlichkeit, um sie bloßzustellen. Natürlich will er nicht an Magie glauben. Aber er muss und das verunsichert ihn zutiefst am Anfang, denn die Geister hinterlassen Leichen und die eine oder andere Göttin scheint sich auch in diesen Gefilden aufzuhalten.

Der Wandel der Hauptperson

Lionel stürzt kopfüber in einer Welt aus Magie, mit der er bisher durchaus Berührungspunkte hatte, wenn auch anders als gedacht. Begleitet wird er nach den ersten Kapiteln von Maddie, die ihn einführt und zwar deutlich mehr weiß, aber ihm nicht alles eintrichtert – nur das nötigste. Damit vermeidet der Autor unnötige Längen und das Klischee, dass der magische Neuling erst eine gewisse Lehrzeit durchlaufen muss. Trotzdem entkommt Lionel seinen jahrzehntelangen Angewohnheiten nicht ganz und sorgt so für spontane Planänderungen bei Maddie, die ihn nicht nur einmal retten kommen muss.

Die Spannungsfrage

Das Buch ist auf eine gewisse Weise so ernsthaft blutrünstig, dass man sich nicht wirklich sicher ist, in welchem Zustand die beiden ihr Abenteuer verlassen werden. Worum es dem Widersacher wirklich geht, weiß man auch lange Zeit nicht. Figuren tauchen auf und verschwinden, tauchen wieder auf und erhalten einen Sinn. Dabei schmieden sich Allianzen gerne mal neu und mit Nekromantie beseelte Alligatoren mischen sich ein. Zusammen mit Lionel taucht man in eine andere Welt ein und wächst über sich hinaus, bis am Ende ein Finale steht, das nicht durch epische Dialoge der Guten versaut wird. Es geht genauso direkt zur Sache wie am Anfang und alle Figuren, die bisher erwähnt wurden, werden integriert. Sehr gut geplant, sehr umsichtig umgesetzt.

Kleine Rätsel und noch kleinere Mankos

Wer mitdenkt, kann im Übrigen im letzten Drittel eines der kleineren Rätsel lösen und fasst sich hinterher an den Kopf, wie man das vorher nicht erkannt haben kann. Aber auch das macht viel Spaß! Gut, der Umstand, dass er von Magie geprägt wurde in seiner Jugend und nun unbewusst dagegen anrennt, ist keine neue Erfindung. Die Umbenennung von Paget zu Page ist auch eher minimalistisch, auf den Hinweis der Page = Seite hätte man bei einem Journalist vielleicht auch verzichten können. Das sind allerdings die einzigen Kritikpunkte, die man nennen kann und damit bleibt das obige Fazit vorab vollumfänglich stehen.

Definitive Leseempfehlung und ein Highlight für Fantasybücher 2022!

Craig Schaefer. Die Geister von New York.
Heyne. 16 Euro.

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