Zurück zu den Anfängen

Der Anblick ist ein wahrhaft gruseliger: Zwei Jungen liegen nackt auf einem Feld in Norwegen, zwischen ihnen ein Hase. Die körperlichen und psychischen Aspekte des Falles sind enorm herausfordernd, zumal es in Schweden vor Jahren einen ähnlichen Fall gab – ungelöst. Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist der Polizei gewiss … Der Ermittler Munch nimmt mit seiner neuen Einheit die Arbeit auf, doch natürlich ist der Täter kein unbedarftes Blatt, der schon auf Munch wartet. Er spielt, er ist subtil, er hat es von langer Hand geplant. Munchs Trumpf? Die junge Polizeischülerin Mia Krüger, die ein besonderes Talent hat: Aus vielen Details erkennt sie Muster und kann Schlussfolgerungen ziehen. Doch dafür muss sie ganz tief in das psychische Grauen der Morde eintauchen und gerät selbst in Gefahr …

Vorab

Das Buch ist der Anfang einer Reihe von 3 Thrillern, die du weder kennen noch im Anschluss lesen musst. Du kannst natürlich, du kannst dieses Buch aber auch völlig eigenständig sehen.

Der Leseeindruck

Es geht zügig und schnell los mit ständigem Wechsel der Perspektive. Dadurch bekommt man sehr viele Menschen in sehr kurzer Zeit präsentiert, deren Rolle in dem Gesamtbild nicht gleich ersichtlich sind. Hier ist etwas Geduld mitzubringen, es lohnt sich! Die natürliche Ausgangssituation, dass man den Täter herausfinden will, braucht ebenfalls einen längeren Atem – denn die Spannung wird bis zum Ende aufrecht erhalten! Die Stimmung bleibt eiskalt, düster und man bekommt das Gefühl, das dicke Ende kommt erst noch. Man entkommt auch nicht dem Gefühl, einen wirklich großartigen, tiefgreifenden nordischen Thriller zu lesen, der sich eigentlich im Herbst mit einem Kakao/Tee und umgeben von Kürbissen während kühler Nächte gelesen gehört. Das Cover passt hervorragend! Parallel erleben wir mit, wie das Team Mia-Munch geformt wird, dem die drei Folgebände gewidmet sind, was für die Kenner der Folgebände ein echtes kleines Schmankerl ist.

Absoluter Geniestreich am Schluss

Der kommt am Ende, wenn man „es“ endlich weiß. Weiß, was all die Charaktere bedeuten, die vorher wie lose durch die Geschichte gedriftet sind. Alle Nasen lang taucht ein anderer Mensch auf und wird in seinem wesentlichen Kern vorgestellt – doch verschwindet nach seinem Kapitel wieder im Nichts. Man kommt nicht umhin, sich während des Lesens zu wundern, was man damit anfangen soll. Das Ende bringt den Knaller: Sie haben alle einen Sinn, und was für einen! Der Moment, in dem alles zusammenkommt, ist einer, in dem man das Buch getrost kurz zur Seite legen und durch das Zimmer springen darf, um die angestaute Energie loszuwerden.

Einziges Manko

Der (Teil-)Spannungsfaktor, dass noch mehr Jungen verschwinden, findet auf den letzten 100 von über 500 Seiten statt. Auf diese Spannungskurve muss man also lange warten, was zu kleineren Irritationen während der vorherigen Handlung führen kann.

Dunkelschnee. Samuel Bjork.
Goldmann Verlag. 15 Euro.

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