Rotes Blut, wie die Erde des Mars

Darrow von dem Planet Mars hat es “geschafft” – dank zahlreicher Operationen gehört er nun zu der höchsten Kaste der Weltengesellschaft. Doch selbst als Goldener tritt er jedem Tag der Möglichkeit entgegen, hinterrücks ermordet zu werden …

Achtung, hier geht es um Band 2 der RED RISING-Reihe von Pierce Brown.

Darrow hat es fast geschafft: Nach den schmerzvollen Operationen und dem Verlust seiner Frau Eo, die nun das Gesicht der roten Rebellion wird, ist er mitten unter der herrschenden Kaste angekommen: Er ist ein Goldener. Am Institut hat er seinen starken Willen, seinen Kampfmut und seine Bereitschaft zu töten unter Beweis gestellt. Jetzt gehört der dem Haus Augustus an – nur dass dieser Herrscher ihn wieder los werden will, als Darrow eine wichtige Kriegsübung vermasselt. Denn bei dieser Übung verliert er ganze Raumschiffe und tausende Menschen finden ihren Tod. Wer so peinlich ist, hat bei Augustus nichts verloren. Das Problem: Wenn Darrow keine Lösung findet, dann ist seine Mission verloren. Doch wenn er der roten Rebellion helfen will und die Weltengesellschaft zerstören, muss er wohl oder übel einen Bürgerkrieg zwischen den Häusern anzetteln … und sich ganz nebenbei die Attentäter aus dem Haus Bellona vom Hals halten … und feststellen, dass auch unter den Goldenen Menschen sind, denen man nicht nur vertrauen, sondern die man auch lieben könnte. Ob die aber mit seinem roten Hintergrund jemals zurecht kommen werden? Oder sind es gerade sie, von denen der größte Verrat drohen könnte? Darrow ist ein Einzigartig Vernarbter und befindet sich in einem Einzigartigen Karussell aus Verrat, Freundschaft und Tod.

Die Kritik

Ein Grund, warum dieses Buch zu den Fünf besten dieses Jahres zählen wird, ist, dass der Autor Grenzen überschreitet. Er hat keine Welt kreiert, in der am Ende alles gut ausgeht. Nein, bei ihm sterben hunderte Menschen in einem Atemzug, auch beliebtere Charaktere werden ins Gras beißen müssen – und nur, weil wir einen Protagonisten haben, heißt es noch lange nicht, dass der Leser immer pro Protagonist ist. Selten so ein emotionales Chaos miterleben dürfen, das aus der Sicht eines jungen Mannes beschrieben wird. Der kann sich zwischendrin auch mal nicht leiden oder ist verunsichert über seine Mission, seine eigenen Lebensziele… Vielleicht ist das Thema “gesellschaftliche Umstürze” hinsichtlich der aktuellen Juli-Anschläge nicht so populär, aber man sollte das Buch definitiv von diesen Vorgängen trennen. Das eine ist fiktiv, das andere hoch komplex und so vielschichtig, dass man als einzelner Mensch kaum durchzusteigen vermag.

Einer der Faktoren, der mich an seiner Weltengesellschaft wirklich fasziniert ist, dass diese sich auf römische Prinzipien beruft – und auch Latein wieder als Sprache aktiviert. Doch plötzlich ist von Walhalla die Rede und die Obsidianen, eine Krieger”rasse”, werden mit den Germanen oder Wikingern verglichen. Das ist einen Tick zu weit hergeholt und passt nicht so recht ins Bild. Aber das ist nur ein ganz kleiner Punkt in einer sonst enormen, geradezu epischen Geschichte. Denn eines muss man ganz klar sagen: Riesiger Respekt an Pierce dafür, dass er so eine enorme Welt aufgebaut hat und keinen Erzählfaden durcheinander bringt.

Trotzder vielen Seiten fliegt man als Leser nur so dahin und fragt sich, wen Darrow wohl nun als nächstes opfern muss – und ob seine Mission nicht zum scheitern verdammt ist. Denn wenn er keine echten Freunde finden kann, gibt es niemanden, auf den er sich verlassen kann.

Und ja: In diesem Buch enthüllt sich die Identität von Ares ^^

Bettina Riedel (academicworld.net)

Red Rising 2 – Im Haus der Feinde. Pierce Brown.

12,99 Euro. Heyne.

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