Wenn der Winter alles rettet

Obacht. hier geht es um Band 3. Die Besprechungen zu Band 1 und zu Band 2 findest du unter dem jeweiligen Link. Band 3 schließt die Reihe ab. 

Das Land der Rus im 15. Jahrhundert: Wasja muss sich verstecken, denn in der vergangenen Nacht brannte Moskau wegen ihr fast bis auf die Grundmauern ab. Der Mob wird von Konstantin befeuert, um voller Hass und Angst das zu machen, was Menschen am Besten können – mehr Gewalt ausüben. Sie wollen sie verbrennen, doch Wasja kann im letzten Moment fliehen. Verletzt und schwach ist es ausgerechnet Varvara, die Dienerin ihrer Schwester, die ihr weiterhilft und sie in das Reich Mitternacht bringt. Dort lernt Wasja viele weitere Tschyerti kennen, erfährt Geheimnisse über ihre Familie und muss sich entscheiden, ob sie ihren Winterkönig befreit oder seinen Bruder an ihre Seite ruft. Denn Konstantin will ein Regime des Hasses gründen und sich selbst in das Zentrum der scheinheiligen Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit stellen. … und als wäre das noch nicht genug, stehen bald die Tartaren vor den Toren Moskaus und fordern das Blut der Einwohner.

Der Eindruck

Diese Geschichte ist eine der coolsten, die ich kenne. Sie macht Spaß, ist ehrlich und hart. Dennoch gibt sie genug Raum für Träumereien, einen Hauch Romanze und den Glauben, das alles gut werden muss. Ich bin wahrlich niemand, der bei einem Buch weint, aber bei einer gewissen Wasja-Solowej-Szene ging das gar nicht anders. Die Autorin schreibt so eindrücklich, dass es die Seele berührt, weil man es nicht durch Worte begreift, sondern man instinktiv in dieser Geschichte mitfühlt.

Die Autorin hat es sich auch nicht einfach gemacht, denn mit Solowej und Wasja hat sie ein erfolgreiches Charakter-Set, das sie für dieses Buch aufbricht. Sie hätte also einen relativ bequemen Weg gehen können, doch geht den komplizierteren – den sie mit Bravour meistert. Von Anfang an ist das Buch durch Action geprägt, es geht ständig voran und Wasja kämpft darum, allen gerecht zu werden, sich selbst zu finden und zu bleiben.

Besonders spannend war eine der unterschwelligen Geschichten: Die um Gleichberechtigung und Selbstbestimmung. Es ist ein Pferd, das denken und sprechen kann wie wir – die Stute will gefragt werden, wenn man sie berührt, niemand darf einfach so auf ihren Rücken. Und was passiert? Es funktioniert alles ganz wunderbar. Punkt. Der Plot geht nicht zur Hölle, er wird nicht weniger bunt, die Charaktere nicht weniger spezifisch und die Handlung nicht weniger spannend. Was für ein effizienter, fast schon süffisanter Beweis, dass es keine schlechten Verhaltensmuster „braucht“, damit Bücher „spannender“ werden.

Das Ende ist der Vorgeschichte würdig, anders kann man es nicht sagen. Es ist etwas pompös, etwas geheimnisvoll, etwas romantisch, etwas gutherzig, etwas blutig und tödlich. Hier sitzt alles an seinem Platz und man braucht nach Band 3 einen kurzen Moment Besinnung, bevor man in die eigene Realität zurückkehren kann. Eine Reihe, die man jederzeit wieder zur Hand nehmen kann, wenngleich es durch die Nebenfigur Morosko emotional schon eher ein Winterbuch ist. Abgesehen davon, dass ich jetzt einen Ofen möchte, in den ich ab und an ein Stück Brot legen kann, damit der Domowoi ja nicht Hunger leiden muss.

Kurz und knapp: Mega fantastisches Gesamtwerk! Bestmöglicher Abschluss ever!

Bettina Riedel (academicworld)

Katherine Arden. Die Hexe und der Winterzauber. Band 3.
Heyne. 16,99 Euro.

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