Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft – wen juckt’s?

Obacht, hier geht es um Band 3. Die Besprechungen zu Band 1 und Band 2 findest du unter diesen Links. 

Dr. Maxwell befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer sagenhaften Karriere: Regelmäßig reist sie mit ihrem wissenschaftlichen Team in Pods in die Vergangenheit, beobachtet und dokumentiert wichtige Ereignisse für das St. Mary’s Institut und die Uni Thiersk. Doch ihr Freund überrascht sie mit der Frage, ob sie nicht beide aussteigen wollen und dann wäre da noch die Katastrophe in Troja, wo ein für allemal geklärt werden soll, ob  und in welcher Form es das berühmte Trojanische Pferd wirklich gab. Die Geschehnisse sind so unglaublich brutal, dass das Team Grenzen überschreitet und riskiert, die Zeitlinie völlig zu verändern – und wie wir wissen, steht “die Geschichte” nicht darauf, von einer Horde Teeliebhabender Nerds verändert zu werden.

Der Leseeindruck

Dieser Band 3 ist einer, den man ohne die weitere Vorgeschichte auf keinen Fall lesen sollte – zu stark wird auf das Wissen der vorherigen Bände aufgebaut, Referenzen gesetzt und alte Geschichten angeschnitten. Zumal wirkt die Storyline dieses Mal arg gestückelt. Es gibt drei bis vier Höhepunkte der Erzählung, die ansonsten keinen roten Faden hat. Da kommt das Ende inhaltlich maximal überraschend und aus Sicht der Hauptperson recht unreflektiert an: Es wird eine komplett neue Dimension geschaffen und sie hinterfragt es nicht, sondern ergibt sich sofort den Plänen von “Der Geschichte”. Das ist etwas verwunderlich.

Mit dem Ende von Band 3 beginnt die Autorin, das Konzept der Zeitreisen voll auszuschöpfen und wagt sich damit in den Bereich der Paradoxa vor, was den Druck auf Band 4 massiv erhöht. Diese Komplexität ist nicht zu unterschätzen und führt zu einem kleinen Kritikpunkt: Es ist in 2 Fällen so, dass die Wissenschaftler in die Vergangenheit eingreifen und beides bleibt ohne Konsequenzen. Bei Troja ist es erklärbar (mehr kann man ohne Spoiler nicht erklären), doch das zweite mal setzt so früh in der Geschichte an, dass es einen Effekt gehabt haben muss, der jedoch komplett unter den Tisch fällt.

Da kommt es gerade recht, dass es wieder den natürlichen Charme des “Wir Teetrinker des St. Mary’s sind eine nerdige Chaostruppe” gibt, der den Sympathiefaktor der Charaktere weit oben hält. Von Käse, der den Berg hinab rollt bis Jungs, die sich blau anmalen (überall!) und hinterher feststellen, dass das erst mal so bleiben wird (wirklich überall) – es klingt herrlich wie auf einem Schülerausflug. Der krasse Gegensatz beispielsweise zur tödlichen Realität in Troja sorgt für Abwechslung, was nötig ist, um einer Geschichte ohne roten Faden interessiert zu folgen.

Im Vergleich zu den Vorgängern schwächelt dieser Band etwas, macht aber gleichzeitig Lust auf Band 4, der es wirklich in sich haben muss!

Jodi Taylor. Doktor Maxwells skurriles Zeitexperiment. 
blanvalet. 10 Euro.

Band 4 und 5 sind in Planung.

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