Eine Drachenhaut voller Bücher

Der in Zamonien berühmt-berüchtigte Hildegunst von Mythenmetz träumt – natürlich von Büchern. Oder träumen die Bücher von ihm? In einem Traum jedenfalls begegnet er einem Buchling namens Hildegunst 2, der ihm von einer fast schon legendären Begegnung berichtet: Wie der kleine Buchling tapfer in den Ormsumpf wanderte und den Ormdrachen suchte, dessen Hautschuppen aus Büchern bestehen. Und nicht nur das: Der Drache ist blutrünstig und zeitgleich so vom Orm durchdrungen, dass er sogar als Ormrakel dient …

Die Besprechung

Ein Buch über Bücher, das mit einem Comic beginnt, endet und sowieso schon sehr viele Zeichnungen enthält sowie mit einem tollen Cover ausgestattet ist – rein formal, beziehungsweise optisch, ist das Buch also schon mal ein echter Leckerbissen.

Die Welt, aus der berichtet wird, ist Zamonien: Eine abstrakte Welt mit vielen eigenartigen Begriffen, Lebewesen und Zusammenhängen, die sich einem unerfahrenen Leser nicht immer gleich erschließen. Vielleicht ist daher “Die Stadt der verlorenen Bücher” und Co ein besserer Einstieg für alle, die sich wieder etwas mehr den Geschichten von Walter Moers widmen möchten. In dieser Hinsicht ist “Der Bücherdrache” auch das erste Buch, dass sich mehr oder minder ausführlich den Buchlingen widmet. Der Drache fungiert dabei als sehr interessantes, weil dual aufgestelltes Sinnbild: Das Wissen der Alten, die absolute Weisheit, eine verkopfte Gesellschaft – die durchaus ihre Existenzberechtigung hat, aber sich bei Weitem nicht fehlerfrei benimmt.

Davon abgesehen ist es eine absolut zauberhaft erzählte Geschichte, die mit ordentlich Tiefgang und teils philosophischen Gedankengängen aufwartet. Auf der einen Seite findet die Leserschaft also eine verspielte Erzählung vor, die mit wahnsinnig kreativen Elementen klotzt – die eben auch noch optisch illustriert werden. Auf der anderen Seite wird das Gehirn der Leser gefordert und auf eigene Gedankenreisen geschickt: Moers versteht es ausgezeichnet, interessante Theorien und Aspekte auszudrücken, die sich gegenseitig nicht kannibalisieren. Vielmehr gibt es der Leserschaft durchaus Zeit, sich selbst damit auseinanderzusetzen.

Trotzem ein klitzekleines #mimimi – dass das Buch trotz Leseprobe des nächsten Buches am Ende nicht mal auf 200 Seiten kommt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Der Bücherdrache. Walter Moers.
penguin. 20,00 Euro.

PS: Außerdem geht es um Drachen. Wer, bitte, mag keine Drachen?!

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