Der vermeintliche Zauber der Schlaflosigkeit

Dylia ist eine Prinzessin aus Zamonien, die an einer sehr sehr seltsamen Krankheit leidet: Die fast absolute Schlaflosigkeit, dank der sie schon mal 17 Tage ohne erholsame Pause wach bleiben muss. Doch sie nimmt es mit Pragmatismus und trockendem Humor hin – und versucht immer, das Positive zu sehen. Zum Beispiel muss sie schlichtweg einige Tage wach bleiben, damit die Zwielichtzwerge überhaupt sehen und seit ihrer Entdeckung ausgiebig beobachten kann … In einer besonders langen Wach-Phase sitzt eines Nachts plötzlich eine bunt schillernde Kreatur in ihrem Bett: Das Wesen stellt sich mit dem Namen Havarius Opal vor, seines Zeichens ein Nachtmahr und nun bei ihr persönlich vorbeigekommen, um sie in den Wahnsinn zu treiben. Da Dylia sich spontan weigert, stattdessen lieber aus dem Fenster zu springen, lädt er sie zu einem großen Abenteuer ein: zu einer Reise durch Dylias ganz eigenem Gehirn!

Die Kritik

In der Regel haben die Bücher von Moers über/aus Zamonien ihren ganz eigenen kindlich-vergnüglichen Reiz. In diesem Buch schneidet er jedoch unerwartet einen ganz anderen Ton an, denn es geht um ein krankes Kind, das sich seines Zustands sehr bewusst ist. Diese Situation hebt er auf ein scheinbar kunterbuntes Niveau, dennoch bleibt der Enrst der Lage immer präsent. Insofern ist „Prinzessin Insomn ia und der alptraumfarbene Nachtmahr“ kein klassisch-lustiges Amusement, sondern fordert den Leser vor allem emotional. Die Hauptperson geht super tapfer durch ihren Alltag und weil man sich so leicht in die Geschichte hineinversetzen kann, erarbeitet sie sich dadurch gleich mal den ersten Respekt. Von Anfang an begegnet Moers dem Thema auf eine absolut phantastische, weil absolut kreative Art. Dabei wird hier keine Märchengeschichte im eigentlichen Sinne erzählt. Es fallen Fachbegriffe, die Überlegungen von Dylia sind bisweilen tiefenphilosophisch und nicht immer auf den ersten Blick „logisch“.

Aufbereitet wird das Thema zusätzlich durch die tollen Illustrationen von Lydia (Dylia?**) Rode. Mit der Vorfreude, welche Zeichnung man wohl auf den nächsten Seiten entdecken wird, macht das Lesen noch einmal besonders Spaß. Außerdem beweisen Rode und Moers damit, dass bunte Zeichnungen völlig zu Unrecht aus den „erwachsenen“ Büchern verschwunden sind: DIe erste Bücher eines Kindes sind Bilderbücher, dann schmuggeln sich Sätze ein, die irgendwann überhand nehmen und die Bilder komplett verdrängen. Di Optik und Haptik machen das Buch zu einem kleinen Juwel, etwas ganz besonderen.

** Im Nachwort erklärt Moers im Übrigen, dass es eine Krankheit gibt, die der von Dylia in unserer Realität ähnelt. Seine wenigen Sätze im Nachwort sind eine Bekräftigung der Erzählung, die man niemandem vorweg nehmen sollte. Nur so viel sei gesagt: Dylia und Lydia sind zwei extrem starke Persönlichkeiten!

Inhaltlich und optisch absolut stimmig, farbenfroh, abwechslungsreich und gleichzeitig tiefsinnig. Vielleicht kein typischer Zamonien-Roman, aber eine sehr wertvolle Erägnzung des Bücherregals.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Walter Moers. Prinzessin Insomnia und der albtraumfarbene Nachtmahr.
Knaus Verlag. 24,90 Euro.

 

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