Die Hexen sind los

Edinburgh der Gegenwart: Erin ist eigentlich Studentin, verdient aber lieber Geld durch Touristenführungen in den Vaults und träumt von der Selbstständigkeit. Und davon, ihre Tante Charly von einer tödlichen Krankheit zu heilen. Doch dafür bräuchte es ein Wunder … oder Magie.

Es gibt Hexen in Edinburgh!

Dass es die wirklich gibt, findet sie heraus, als sie von einem Geist angegriffen wird, den die Gebräuhexe Lu herbeigerufen hat. Diese träumt vom gesellschaftlichen sowie magischen Aufstieg und zieht den Tarotleger Kaito mit in ihre Pläne, der unter dem Namen Leo den Arbeitskollegen von Erin mimt – um in den Vaults genau solche Geisterbesuche zu unterbinden.  Lu’s Ziel: der legendäre, Herzenswünsche erfüllende Würfel Talus, geschaffen von einer einst unfassbar mächtigen Hexe …

Der erste Eindruck

Dank kurzer Kapitel bekommt man von Anfang an einen super leichten Einstieg in diese Konstellation aus mehreren Charakteren. Richtig angenehm ist die sich anbahnende Romanze, die sehr dezent aufgebaut wird, mit super wenig Glitzer auskommt und auch nicht in den Fokus der Handlung gerät. Erin ist anteilsmäßig die Hauptperson, aber Liza Grimm gibt den anderen Personen genug Luft, um sich bemerkbar zu machen und die Geschichte auf die jeweils eigene Art zu prägen und weiterzuentwickeln.

Salem lässt grüßen

Handlung, die sich weiterspannt, gibt es zuhauf und so wird man als Leser schnell in die Unterwelt Edinburghs gerissen, in der nicht alle Hexen gut auf Menschen zu sprechen sind und Hexen in magisch erschaffenen Höhlen leben. Psychologisch etwas anspruchsvoller wird es auch, als de facto Wilhelm Busch eingearbeitet wird, der in etwa gesagt haben soll: „Jeder erfüllte Wunsch gebiert augenblicklich Junge.“ Fragt sich also, woher die Macht des Würfels kommt, was Menschen mit dieser Macht anstellen werden und vor allem, wie es nach der Wunscherfüllung weitergeht. Nicht zu vergessen, ob Menschen sich wirklich im Klaren darüber sind, ob dieser eine Wunsch wirklich der wahre Herzenswunsch ist oder etwas ganz anderes im Unterbewusstsein. Eine sehr durchdachte Herangehensweise also, die dadurch von vornherein Logiklücken zu schließen vermag. Einzig die Person Noah kommt persönlich etwas zu kurz, denn während man seine grundlegende Motivation versteht, kommt die Gefühlswelt etwas zu kurz und damit das lesersche Einfühlungsvermögen nicht zu tragen. Sofern vorhanden natürlich.

Ein klein wenig schade ist, dass man von Außen nicht sofort erkennt, dass es sich hier um einen Band 1 handelt. Aber das soll hiermit erwähnt sein und gut ists. Band 2 wird gerade geschrieben – Liza Grimm ist auf Twitter, Patreon und Instagram übrigens sehr aktiv.

Tolle Fantasyunterhaltung!

Liza Grimm. Talus.
Knaur. 12,99 Euro.

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