Mit dem Gespür einer Supernase

In einem Pawn Shop findet Reacher zufällig den Abschlussring einer West Point-Kadettin, den man – weiß er aus eigener Erfahrung – niemals einfach so verkaufen würde. Der Ehre und der ganzen Arbeit wegen, die man in die Zeit bei West Point reingesteckt hat. Er macht sich auf die Suche nach der Eigentümerin und stößt bei seiner Suche auf ein Wespennest aus Drogenhändlern und Schmugglern im ländlichen, wenn nicht sogar tief verlassenen Wyoming. Den Verdächtigen ist nicht nur super wenig nachzuweisen, offenbar haben sie einen Weg gefunden, direkt unter der Nase des FBI gängige Sicherheitsvorkehrungen auszuhebeln.

Spotlight: alleingelassene Veteranen

Ganz grundsätzlich gesprochen ist dies ein typischer Jack Reacher-Roman von Lee Child. Sehr einsichtsreich ist die problematische Thematik, auf die Lee Child die lesersche Aufmerksamkeit lenkt: Veteranen, die von der Army oder dem USMC nach ihrem Ausscheiden alleine, manchmal sogar nach Morphium süchtig und hängen gelassen werden. Überraschend meinungsstark und unliebsam kommt dieser Thriller also daher, der sonst alle typischen Merkmale eines Jack Reacher-Romans in sich vereint. 25 Bände hat diese Reihe bereits; sie soll im Übrigen wohl eine Amazon-Serie werden, nachdem Tom Cruise die 2 Filme in Eigenregie nach landläufiger Meinung eher ruiniert hat.

Das Ende

… kommt anders als gedacht. Denn gerade, wenn die Erzählung den Spannungsbogen zu Ende gebracht hat, dreht sich die Handlung und es geht noch ein paar Kapitelchen weiter, die einen völlig neuen Spannungsbogen aufbauen. Natürlich weiß man theoretisch, dass es mit Jack immer weitergehen muss, aber auch er ist nicht automatisch gegen alle Übel gefeit.

Was Jack als Hauptperson ausmacht

Der gute Reacher ist kein typischer Kriminalist: Einzelgänger, stur wie Dreck, meist nur so brutal wie nötig, aber macht sich auch die Finger richtig schmutzig, wenn jemand so ein richtiger Mistkerl ist. Das macht es eigentlich immer ganz nett, pro Jahr einen neuen Band zu lesen. Da die Geschichten in sich geschlossen sind, gibt es auch keinen Druck, alles sofort und auf einen Rutsch gelesen zu haben müssen.

Was das Lesen außerdem so angenehm macht, ist, dass man meistens genausoviel weiß wie der gute Reacher. Der schlussfolgert allerdings recht fix, sodass man sich manchmal wie in einem kleinen Logik-Wettbewerb fühlt – unterhaltsam und spannend!

Alles easy also mit dem neuen Jack Reacher.

Lee Child. Jack Reacher – der Bluthund.
blanvalet. 20 Euro.

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