Hungrige Mals, böse Mitschüler

Hier geht es um Band 2 von insgesamt 3. Die Besprechung zu Band 1 findest du hier. 

Wir sind zurück in der Scholomance – der Schule, die voll mit sogenannten Mals ist und wo Schüler:innen sterben, wenn sie nicht maximal eigennützig durchs Schuljahr navigieren. Unsere schroffe, dauergrummelige El hatte mit der Aktion am Ende des Schuljahres Erfolg: Mit Verbündeten hat sie den Mechanismus im Festsaal repariert, sodass super viele Mals ausgelöscht wurden. Doof nur, dass die jetzige Knappheit an Mals dafür sorgt, dass Orion kein Mana mehr an die New Yorker Enklave weiterleiten kann – und dass die Schule El für den Mana-Mangel verantwortlich macht.

Sie bekommt besonders viele Kurse aufgebrummt, muss sich (emotional, igitt!) um Menschen kümmern und ihren stärker werdenden Gefühlen für Orion gewahr werden. Alles, während die Schule viel daran setzt, sie umzubringen und es immer noch Mitschüler:innen gibt, die sie ohne mit der Wimper zu zucken umbringen könnten. Das bringt Els Temperament gefährlich in die Richtung Tod und Verderben, denn ihre „Affinität“ sind nach wie vor Massenmord und wahnsinnige Zerstörung …

Der Leseeindruck

Ein Buch, das die Gemüter vermutlich teilt: Einerseits freut man sich einfach auf ein Wiedersehen mit dieser sympathischen, zynischen und manchmal doch emotionalen Hauptperson: Sie ist keine Heroine, hat kein wallendes, rotes Haar und gegen die Liebe sträubt sie sich auch ganz heftig. Im Endeffekt könnte sie quasi Voldemorts Tochter sein, aber so gar keinen Bock auf die negative Magie ihres Vaters haben. Dieses Wiedersehen-Wollen sorgt dafür, dass man die ersten 250 Seiten gerne durchrattert und mit El das Abschlussjahr starten und voranschreiten lässt. Sie ist eine frische Brise in der Fantasywelt, in der alle immer toll sein wollen und sie einfach allein gelassen und überleben. Dass sie doch Bündnisse eingeht, ist dem Überleben geschuldet und nicht plötzlich aufflammender Freundlichkeit in ihrem doch sehr verschlossenem Herz. Dass die Fantasy kein Stück zauberhafter wird, sondern weiterhin tiefschwarz und trocken bleibt, trägt zum Charme der 3-teiligen Serie bei.

Andererseits fehlt von Anfang an ein gewisser Fokus, Spannungsbogen oder das große Ziel, auf das man gemeinsam mit El hinarbeiten/lesen möchte – dass sie im Abschlussjahrgang ist, reicht dafür nicht. Ja, sie muss am Ende sich durch den großen Festsaal samt Mals kämpfen, aber ihre Kurse meistert sie und ansonsten geht kaum etwas schief. Da sie zudem eine ausgeprägte  Affinität für Massenmord & Co hat, traut man ihr das durchaus zu. Hier ist also keine große, epische Herausforderung zu sehen, die 500 Seiten rechtfertigt. Die emotionale Story mit Orion soll nicht gespoilert werden, nimmt aber keinen Vordergrund ein und ist damit auch kein Anlass, 500 Seiten zu konsumieren. Womit sind diese also gefüllt?

Gedankengänge der Protagonistin – das ist einfach etwas zu umfangreich. Dadurch zieht sich die Handlung, weil sei faktisch kaum stattfinde und die vielen Überlegungen der Hauptperson geben zwar den Status Quo der Geschichte wieder, tragen aber herzlich wenig zur Weiterentwicklung bei. Erst, als der große Plan für das Jahresende steht, kommt wieder Bewegung in die Sache und einige kleinere Überraschungen machen das Lesen der letzten Kapitel wieder unterhaltsamer.

Im Vergleich zu Band 1 insgesamt also durchaus schwächer – ein Übergangsband, der jedoch vielversprechend endet. Viel darf man dazu natürlich nicht sagen, aber die Möglichkeiten, die sich der Geschichte nun bieten, scheinen spannend.

Scholomance – der letzte Absolvent. Naomi Novik.
cbj Verlag, 20 Euro.

Share.