
Der Leseeindruck
Anya Omah schreibt vergleichsweise jugendlich, was sich an der Umgangssprache zeigt, aber das passt auch gut zu ihrem Setting, also in Bezug auf ihre beiden Charaktere. Schön ist, dass das Hamburgfeeling genauso aufkommt wie das Leiden, Freuen und Schimpfen zusammen mit den Charakteren. Beide sind völlig vorstellbar, könnten genauso gut der Realität entspringen und es fällt richtig leicht, in diese Geschichte einzusteigen.
Es gibt toxisches Verhalten in der Erzählung, aber das wird auch als solches präsentiert, eingebettet und kritisiert. Damit ist Regenglanz ein sehr gutes Beispiel dafür, dass man so Verhalten einbauen kann, das Setting und vor allem die Handlung von Charakteren keiner heilen Welt entsprechen muss und man trotzdem kein negatives Verhalten als positiv propagiert. Zudem gibt es einen super selbstverständlichen Einsatz von Kondomen, was kleinlich klingen mag, aber für jüngere Leser:innen vielleicht großen persönlichen Impact haben kann. Sowas neben den ganzen toxischen „Liebesgeschichten“ im Buchladen stehen zu haben, ist in diesen Zeiten super wichtig.
Zwei Faktoren machen das Lesen aber besonders gut: Einmal, dass es tatsächlich noch mal einen Twist gab im letzten Drittel, den man so echt nicht vorausahnen konnte. Das Ende, nach der Auflösung, hat sich zwar etwas gezogen, aber das sind die einzigen Kritikpunkte an der Geschichte selbst. Der zweite Faktor ist die Liebesgeschichte an sich, die sich weit weg von Klischees oder seltsamen Rosa-Glitzer-Szenen bewegt. Sie steht komplett im Fokus, aber es gibt keinen Kitsch, kein Teenage-Style Drama, kein unnötig dramatisches Verhalten.
Einziges Manko: Was etwas verwunderlich ist, sind die doch recht zahlreichen Fehler, Grammatik & Co, die im Herstellungsprozess übersehen wurden.
Regenglanz. Anya Omah.
Kyss Verlag. 12,99 Euro.
Band 1 einer Trilogie, in der die Bände aber jeweils eine eigene Liebesgeschichte erzählen.