The Show Must Go On?

P.T. Barnum ist der Sohn eines Schneiders, der nach dem Tode seines Vaters in der Gosse aufwächst. Allerdings hat sein Leben einen Lichtblick – seine Liebe zu Charity, die seine Gefühle wundersamerweise auch erwidert. Im Erwachsenenalter heiraten die beiden tatsächlich und gründen eine rundum glückliche Familie. Doch die wirtschaftlichen Zeiten sind hart und eines Tages verliert Barnum seinen Job. Gerade wegen seiner harten Kindheit trifft der Verlust ihn wie ein Schlag in die Magengrube – doch der Mann hat eine einzigartige und kunstvolle Fantasie (genau wie seine Töchter) und ein Gespür fürs Geschäft:

„Ich sehe einen Star, einen General, der über die Bühne stürmt.“ – nur ein inhaltlich stimmiges, kein wortgetreues Zitat.

Aus einem Museum von toten Kuriositäten macht er einen lebensfrohen Zirkus mit kuriosen Gestalten! Sein Unterfangen wird ein Zuhause und eine Ersatzfamilie für alle, die wegen ihres anderen Aussehens von der Gesellschaft ausgelacht oder gar verstoßen wurden. Und jetzt sind es gerade sie, die den Zirkusbesuchern die Grenzen ihrer eigenen Welt aufzeigen und mit fantasievollen Unterhaltungen füllen – doch wo es bunt zugeht, warten auch Abgründe: Nicht jeder akzeptiert ohne weiteres die Existenz des Zirkus …

Die Kritik

Ein kunterbuntes Spektakel erwartet die Zuschauer: Traumhafte Häuser, illustre Schauplätze und ein wirklich imposantes Bühnenbild machen den Film optisch zu einem echten Hit. Mit Hugh Jackman, Michelle Williams, Zac Efron, Zendaya und Rebecca Ferguson ist die Geschichte auch wirklich perfekt besetzt – sie leben ihre Rollen und erwecken sie auf faszinierende Art und Weise zum Leben. Dass vom Aufwand her sehr viel Herzblut in dieser Produktion steckt, merkt man dem Film auf jeden Fall an.

Einzig die Vorhersehbarkeit des Inhalts gibt dem Enthusiasmus einen Dämpfer. Ein Mann, vorgeprägt durch Kinderarmut entwickelt zu viel Ehrgeiz und verliert dabei das aus den Augen, was wirklich zählt: die Familie. Ein weiterer herber Schicksalsschlag könnte ihn vielleicht auf den richtigen Pfad zurückführen oder auch nicht – es läuft einfach alles zu stark nach bekannten Mustern ab. Insgesamt kippt der Film dadurch zu sehr Richtung Idylle, die eher belanglos wirkt und oft und gerne den alten Disney-Filmen vorgeworfen wurde. Dazu kommen Details wie der Name von Barnums Ehefrau: Charity, also quasi Wohltätigkeit. Sie ist eine Tochter aus gutem Hause, die ihre Stellung für ihn aufgibt – ist er, in seinem Selbstbild als armer Gossenjunge, nur ein Charity-Case für sie? Das schürt natürlich die unterschwelligen Selbstzweifel, die Barnums Charakter zugeschrieben werden. Spitzfindigkeiten wie diese treiben das so detailliert durchdachte Handlungskonzept auf eine Spitze, die es so nicht gebraucht hätte.

Das inhaltlich Spannendste ist der Konflikt zwischen „Ausgestoßenen einen sicheren Hafen bieten“ und gleichzeitig „ihre Ausgestoßenheit für Profit ausnutzen“. Eine explizite Antwort hierauf wird nicht gegeben, der Zuschauer darf aber wohl eine Interpretation wagen. Solange beides auf Einverständnis beruht und moralische Werte nicht verletzt werden, dürfte es wohl akzeptabel sein. Und genau so verhält es sich mit dem restlichen Film: Immer den goldenen Mittelweg der Harmonie beschreiten, im Gegensatz zum Hauptcharakter nichts Neues wagen und zufrieden damit sein, bunte, schillernde Unterhaltung zu bieten, die für knapp 1.5 Stunden in eine optisch hervorragende Welt entführt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

THE GREATEST SHOWMAN

Ab dem 17. Mai im Vertrieb von 20th Century Fox Home Entertainment als BluRay und DVD fürs Heimkino erhältlich.

Alle Bilder: 20th Century Fox Home Entertainment

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