Wer zu nah an der Sonne lebt, brennt aus

Freddie Mercury tätigte mit der Liedzeile „I’m a rocket ship on my way to Mars, on a collision course, I am a satellite, I’m out of control“, des Liedes Don’t Stop Me Now, eine außerordentlich zutreffende Selbstbeschreibung. Denn dass er eine Person war, die immer höher hinaus wollte und dabei zuweilen alles andere als die Kontrolle behalten hat, zeigt nun auch das neue Freddie Mercury-Biopic Bohemian Rhapsody von Regisseur Bryan Singer. Der Film spannt einen Bogen von der Entstehung der Band Queen, als Freddie Mercury noch am Flughafen Heathrow arbeitet und schließlich seine späteren Bandmitglieder Brian May und Roger Taylor kennenlernt, bis hin zu deren Aufstieg zu einer der bedeutendsten Rockbands ihrer Zeit. Besonders im Vordergrund stehen dabei einerseits Freddies Privatleben und seine Identitätssuche. Andererseits wird die Geschichte des Films um die Spannungsverhältnisse innerhalb der Band, beziehungsweise zwischen Freddie und den anderen drei Mitgliedern, die sich immer mehr manifestieren, gesponnen.

Die Kritik

Um gleich am Anfang mit dem Elefanten im Raum aufzuräumen, nun die Frage: Wie gelingt dem Schauspieler – im Falle von Bohemian Rhapsody ist es Rami Malek – die Darstellung der Hauptfigur; kann er beispielsweise mit den Leistungen von Jamie Foxx oder auch Val Kilmer, die mit ihren jeweiligen Verkörperungen von Ray Charles und Jim Morrison in früheren Biopics überzeugen konnten, mithalten? Die kurze Antwort lautet: Ja. Man nimmt Malek sein Aussehen und seine Art, Freddie Mercury nachzuahmen, sofort ab. Auch die Darsteller der anderen drei Bandmitglieder (Gwilym Lee, Ben Hardy, Joseph Mazzello) wissen in ihren Rollen zu überzeugen. Besonders ansprechend ist die Chemie, die zwischen den Bandmitgliedern herrscht, die sich den ganzen Film hindurch vor allem im humoristischen Zusammenspiel der vier äußert. Wer nun Angst hat, im Film von der Humorkeule erschlagen zu werden, kann sich sogleich wieder beruhigen, denn die tragischen Elemente kommen auch nicht zu kurz. Die gekonnte Balance der beiden Aspekte macht es aus.

Die stärkste Eigenschaft des Films ist natürlich die Musik, die schon ab der ersten Minute jeden Queen-Fan überzeugen kann. Denn in der grandiosen Eröffnungssequenz sieht der Zuschauer Freddie, wie dieser gerade vom Tourbus durch den Backstagebereich hindurch auf die Bühne geht, um vor 72.000 Zuschauern im Wembley Stadium das Live-Aid Konzert von 1985 zu spielen; alles untermalt vom Song „Somebody to Love“. Sehr überzeugend sind auch die Studio-Sessions der Band, in denen die Entstehung bekannter Lieder wie „Bohemian Rhapsody“, „Another One Bites the Dust“ und „We Will Rock You“ inszeniert wird. Dabei muss man hinzufügen, dass die Schauspieler die Songs sowohl im Studio als auch bei den gezeigten Liveauftritten nicht selbst aufführen, sondern natürlich originales Audiomaterial der Band unter das Schauspiel der Darsteller gelegt wird. Was hingegen schon nachgebildet wurde, ist die visuelle Ebene bekannter Fernsehauftritte und Videos, wie beispielsweise die Aufführung von „Killer Queen“ bei der BBC, das Video zu „Bohemian Rhapsody“ und auch das legendäre Wembley-Konzert.

Schließlich ist da noch der mitreißende Spannungsbogen. Mit jeder verstreichenden Minute breitet sich beim Zuschauer schleichend das Gefühl aus, dass die Geschichte kein gutes Ende nehmen wird. Dieses Gefühl ist erst recht nicht abzulegen, wenn man mit Freddy Mercurys Schicksal vertraut ist. Im Rausch des Erfolgs gibt er sich immer öfter Partyexzessen hin, hat mit der Öffentlichkeit zu kämpfen, die an seiner Homosexualität – zu der er sich zeitlebens nie öffentlich bekannt hat – interessiert ist, und stößt die meisten Menschen, die ihm etwas bedeuten, von sich weg. Um nicht zu viel zu verraten, sei an dieser Stelle nur noch erwähnt, dass Bryan Singer im Film ein perfektes Ende gelungen ist.

Fazit:

Am Ende eines Biopics stellt man sich meistens die Frage: Ist das alles wirklich so passiert, wie ich es gerade auf der Leinwand gesehen habe? Natürlich nicht. Aber das Entscheidende ist doch auch nicht, dass jeder Dialog und jede Szene der Wahrheit entspringt, sondern vielmehr, dass der Film als solcher gut funktioniert und unterhält – und das tut Bohemian Rhapsody auf jeden Fall.

Dominik Heller (academicworld.net)

BOHEMIAN RAPSODY

Ab dem 31. Oktober im Verleih von Fox in den Kinos.

 

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