Wenn die Vergangenheit blutig anklopft

Gemma ist eine Polizistin, die sich in einer männergeprägten Arbeitswelt ein respektables Standing erarbeitet hat. Der fortwährende Kampf hat sie hart gemacht, doch nun hat sie scheinbar alles erreicht: Guter Job, einen guten Mann an ihrer Seite, einen zauberhaften Sohn – ach und die Affäre mit ihrem Arbeitskollegen Felix MacKinnon und die ermordete Schul-“Freundin” Rosalind aus ihrer Jugend. Die kehrte erst kürzlich an die lokale Highschool zurück und unterrichtete dort voller Leidenschaft für Literatur. Jeder schien sie zu mögen, ihre Schönheit sorgte für viele Verehrer. Und doch liegt sie nun mit Rosen bedeckt am Ufer des sogenannten Sonny Lakes, ermordet. Ein Rätsel ohne jede Spur, so zumindest scheint es zunächst …

Die Kritik

Das Buch wird die Gemüter in zwei Lager spalten. Die einen, die sich in das Rätsel vertiefen können und die anderen, die mit der Hauptperson nicht warm werden können. Sie ist zugegeben auch sehr ungewöhnlich – verliert gerade ein Baby in den ersten Schwangerschaftswochen, knallt sich eine Binde rein und geht einfach zurück an den Job. Dazu die seltsame Affäre mit ihrem Kollegen, die mal emotional geladen sein soll und dann von dem ständig wiederholten ” ich will ihn in mir spüren” zerrüttet wird. So einen Hauptcharakter kann man mögen, muss man aber nicht – und wer damit seine Schwierigkeiten hat, wird das Buch eher befremdet zur Seite legen.

Der mangelnde Spannungsbogen ist der nächste Aspekt, der stark zum Tragen kommt. Selbst nach knapp 200 Seiten gibt es gerade mal einen bis zwei seltsame Hinweise, der die Ermittlerin aber nicht bis gar nicht nachgeht. Stattdessen erfährt man in Rückblenden, wie ihr der Karrieredurchbruch gelungen ist. Wenn man durchgehend die Relevanz solcher Rückblicke hinterfragt, stört das das Lesevergnügen bisweilen enorm, da sie den leser doch aus dem roten Faden reißen und ins Outback schicken. Es dauert zu lange, bis sich der Sinn dieser Rückblenden deutlich herausstellt. Zudem ist das große Rätsel am Anfang vielleicht einen Tick zu sehr wie ein gordischer Knoten präsentiert, denn es gibt kaum Ansatzpunkte für Emittlungen. Da diese der spannende Weg zu einem packenden Ende sein sollen, ist es entsprechend ungünstig, diese von Anfang an etwas zu vergraben und stattdessen das Eigenleben der Protagonistin zur Schau zu stellen.

Positiv hervorzuheben ist die Schreibtechnik. Losgelöst vom Inhalt betrachtet ist der Schreibstil absolut einwandfrei, intelligent aufgesetzt und zum mitreißen gedacht. Am Ende führt die Autorin alle Fäden zusammen, was ebenfalls sehr positiv ist und für die guten handwerklichen Fähigkeiten spricht. Schade, dass Schreibstil und das solide Handwerk nicht auf eine stärkere Geschichte “gestoßen” sind.

Alas – die beiden ersten Kritikpunkte werden dafür entscheidend sein, ob man das Buch (übrigens ein Serienauftakt) mag oder eher ablehnen wird.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Dark Lake. Sarah Bailey.
C. Bertelsmann. 15,00 Euro.

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