Vier Länder voller Missverständnisse und Zauber

Clara lebt mit ihren beiden Geschwistern und ihrem wohlhabenden Vater in London. Die Familie leidet unter dem frischen Verlust der Mutter / Ehefrau und nun steht auch noch das emotional herausforderndste Fest des Jahres vor der Tür: Weihnachten. Um den gesellschaftlichen Schein zu wahren, muss die Familie beim großen Weihnachtsball auftauchen, der vom Paten der Verstorbenen ausgerichtet wird. Clara ist denkbar bockig, doch der Pate ist ein Erfindergenie, eine richtig gute Seele und somit immer für Abwechslung und etwas Ablenkung von der Misere gut.

Mother Ginger ist der prädestinierte Bösewicht mit einem diabolischen Plan im Gepäck. Bild: © 2018 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Sein Weihnachtsgeschenk an Clara führt sie daher auch bei der Schnitzeljagd quer durch das Haus – in eine andere Welt! Mitten im Winter steht sie plötzlich im Freien und eine verdammt freche und aufmüpfige Maus hat den Schlüssel gestohlen, der ein Geschenk ihrer Mutter öffnen könnte. Ohne Rücksicht auf Verluste beginnt Claras Jagd nach dem Nagetier und schon schliddert das Mädchen in ein märchenhaftes Abenteuer hinein! Sie ist nämlich in den Vier Ländern gelandet, die von ihrer Mutter einst entdeckt und regiert wurden. Nur erfährt Clara durch die drei Regenten, dass die Vierte im Bunde – Mother Ginger – eine Armee erschafft, um die übrigen Länder grausam zu unterjochen. Ein Plan, der unbedingt vereitelt werden muss!

Die Kritik

Eine junge, aufgeweckte Frau steht hier im Zentrum der Aufmerksamkeit, die den Verlust des wichtigsten Elternteils noch nicht richtig verkraftet. Sie ist auf der Suche nach einem Weg, damit zurechtzukommen und stolpert deswegen in ein fantastisches Abenteuer – inhaltlich mit dem Ziel, ihr den richtigen Weg in der realen Welt zu zeigen. Damit ist die Kernaussage der Geschichte erfasst und es ist klar, dass Disney mit riesigen Unterschieden in der Erzählung arbeitet.

Im Original gab es keine vier Reiche, keine Mother Ginger, lediglich einen Kampf der Nussknacker-Armee gegen die des Mäusekönigs sowie eine Reise zur Zuckerfee, die ein Festmahl gab. Disney hat die Geschichte also nicht nur zu einer vollen Erzählung umgetextet, sondern ordentlich Elemente hinzugefügt. Mit dem Nussknacker-Original hat es allerdings nicht mehr viel zu tun. Gut dagegen spielt die junge Hauptdarstellerin an, deren Charakter sehr gut konzipiert wurde. Sie will Dinge erforschen, geht Sachen auf den Grund und bricht daher – ohne bewusste Absicht – aus ihrem Rollenklischee aus.

Diel Zielgruppe dürfte deutlich im jüngeren Altersbereich angesiedelt sein. Denn “die Moral von der Geschicht” ist relativ einfach gestrickt, wird aufmerksamen Zuschauern schnell klar und den Zuschauer jenseits der 16 weder überraschen, noch besonders intensiv unterhalten oder zum Nachdenken anregen. Das ist sehr schade, denn die umgedichtete Erzählung hätte Raum für weitere Aussagen gegeben, die genau diese Effekte hätte haben können.

Die Experten bei Disney wissen natürlich, was sie machen, wenn sie einen Film technisch umsetzen. Herausgekommen ist ein netter Film, einer Märchenadaption gleich. Schön anzuschauen, wenn alles draußen grau ist, aber leider fehlt dem Film das Potenzial, zu etwas Größerem zu werden. Bonuspunkte gibt es für die Musik: Der Soundtrack ist so interessant, dass man ihn sich bisweilen als Hintergrundmusik einspielen wird.

Bettina Riedel (academicworld.net)

DER NUSSKNACKER

Ab dem 14. März für das Heimkino erhältlich!

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