Eine Dystopie mit Nervenkitzel

Raven, eine junge Albino-Frau, nimmt nachts die Identität „Dark“ an und modifiziert mit ihren Werkstücken die menschlichen Körper ihrer Kunden. Menschen, die diese Körpermodifizierung vorgenommen haben, werden „Cheater“ genannt und sind zu übermenschlichen Dingen im Stande. Durch einen Strafdienst, den Raven im „Käfig“ – das Polizeirevier von Berlin Mitte – absolvieren muss, trifft sie auf ihr neues Team, welches aus dem wohl einzig unbestechlichen Polizisten in ganz Berlin – Birol – und der jungen Praktikantin Laura aka Martha besteht. Zusammen sollen sie einen Mord an einem von Darks Kunden aufklären.

Während Raven mit ihrem Balanceakt zwischen ihren beiden Identitäten beschäftigt ist, macht sich Birol auf die Suche nach dem „Cheater“, welcher seinen Vater ermordet hat. Aber auch Laura nutzt es aus im „Käfig“ gelandet zu sein und folgt den einzigen Spuren aus ihrem alten Leben. Durch das herumstochern in der Vergangenheit und Gegenwart werden die dunklen Geheimnisse der drei ans Tageslicht gespült. Aber wie genau passt der Nachtclub „Utopia Gardens“, als Dreh- und Angelpunkt, in die Leben der Teammitglieder …

Jede Menge Blickwinkel
Im Gegensatz zu vielen anderen Romanen wird die Geschichte rund um das Utopia Gardens nicht nur aus ein oder zwei Sichten erzählt, sondern zahlreiche Perspektiven (über 10) beleuchten die verschiedenen Leben und Denkweisen der unzähligen Figuren in Berlin und Hamburg.

Es kristallisieren sich die Hauptcharaktere Raven, Laura und Birol heraus, welche durch ein Polizeiprojekt gezwungenermaßen zusammenarbeiten müssen. Jeder von ihnen ist aus einem anderen Grund bei diesem Programm gelandet und jeder hat seine eigenen Gründe, dieses zu verabscheuen oder für seine eigenen Zwecke zu missbrauchen. Neben dem Trio gewähren zwielichtige Clubbesitzer und hochrangigen Unternehmer, aber auch „Cheater“ und Sicherheitschefs Einblicke in das dystopische Deutschland, ihre eigenen Welten und dem berüchtigten Berliner Nachtclub.

Fazit
Durch den häufigen Perspektivenwechsel wird das Lesen des Techno-Thriller etwas erschwert. Die vielen Nebenhandlungen erscheinen zwischendurch als störend und aus dem Kontext gerissen. Erst wenn man den Roman bis zur letzten Seite gelesen hat, ergibt sich teilweise ein stimmiges Bild, dennoch wird man mit vielen offenen Fragen zurück gelassen, die nach Ende des Buches für Verwirrung sorgen und hoffentlich im zweiten Band geklärt werden.

Ebenfalls wünsche ich mir für Utopia Gardens II weniger Charaktere und mehr aus den Leben von Raven, Laura und Birol. Vor allem die Fragen, wie die junge Albino-Frau zu ihrem Job und der zugehörigen Identität „Dark“ gekommen ist und wo eigentlich die gutbetuchte Bevölkerung von Berlin hingegangen ist, interessiert mich brennend. Aber auch die freundschaftlichen Annäherungen zwischen den drei wäre mit weniger Input, durch weitere Figuren, leichter nachzuvollziehen und ein schöner Bestandteil für die Fortsetzung.

Neben den inhaltlich offengebliebenen Fragen ist „Sodom“ ein sehr komplexes Buch, welches es erschwert seinen Eindruck in Worte zu verfassen. Dieses Detail könnte die Leserschaft spalten. Entweder man liebt es, oder man hasst es.

Trotz dem etwas verwirrenden Aufbau des Thrillers, ist es schön, dass Deutschland der Schauort des Geschehens ist und eine mögliche digitalisierte Zukunft aufzeigt.

Lisa Albrecht (academicworld.net)

Eva Siegmund. Utopia Gardens I „Sodom“. (Band eins von drei)
Knaur. Preis: 12,99€

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