Schicksal? Nein, danke!

Vorab sei gesagt, dass das Buch nichts mit der aktuell auf Netflix beliebten Serie “Locke & Key” zu tun hat.

Atail ist eine sagenumwobene Stadt mit einem ganz besonderen Geheimnis im Zentrum. Schon zur Stadtgründung befand sich inmitten einer Eiswüste ein Wall, in dessen Innerem nicht nur andere Temperaturen herrschten, sondern eine ganz besondere Macht – das Shao. Einst floss es durch alle Bewohner dieses Walls, doch irgendwas geschah hier (brutal, böse, man kennt es ja) und geriet in Vergessenheit.

Jetzt steht ein Haus im Zentrum der Stadt, das größer ist, als es sein sollte, magisch aufgeladen – und das wohl bekannteste Bordell überhaupt. Die aufgehende Sonne ist der Ort, an dem sich einige Reisende zufällig treffen und die meisten wider Willen auf ein ganz besonderes Abenteuer gehen: An die Spitze des irreführenden Hauses zu gelangen, wo enorme Reichtümer warten sollen.

Der Leseeindruck

Am Anfang irritiert, denn die Autoren setzen in ihrer Geschichte sehr früh an und nehmen sich die Zeit, ihre Charaktere in Szene zu setzen: Woher sie kommen, weshalb sie nach Atail aufgebrochen sind und wie sie im Kern ticken. Bis es also zum eigentlichen Aufeinandertreffen der verschiedenen Handlungsstränge kommt, muss man sich die eine oder andere Wendung und Information merken. Insofern ist angeraten, die ersten knapp 200 Seiten relativ zeitnah zu lesen, um die gemeinsame Basis zu erreichen.

Auch danach treiben die Charaktere miteinander noch so viel Schabernack um ihre Identität, dass es bisweilen etwas herausfordernd ist, Schritt zu halten. Ein sehr erfrischender Eindruck eines Buchs, das mal nicht der reinen Bequemlichkeit der Leserschaft folgt. Durch die vielen Charaktere sowie die Art, wie das Buch strukturiert ist (anhand der Räume, die die Gruppen durchkämpfen), fliegt man nur so durch die Seiten. Die Handlung geht immer weiter und man spürt deutlich, dass sie sich wie ein Faden um eine Spule immer dichter aufwickelt – doch was ist das Ziel?

Das Buch wird nicht jedem gefallen, weil es bisweilen konfus wirkt und der Schreibstil nicht der Glatteste ist. Das aber ist wirklich Geschmacksfrage, die Leseprobe wird empfohlen. Für meinen Geschmack war es einfach mal wieder etwas anderes, ungewohntes. Das findet man relativ selten, ganz besonders bei deutschen Autoren, die nicht “glatt übersetzt” wurden. Das Ende ist im Übrigen sehr faszinierend und vor allem faszinierend vielschichtig. Da spielen der freie Wille, Launenhaftigkeit, Macht und Machtlosigkeit eine große Rolle – und es sind die eigenen Entscheidungen, die einfach mal den Unterschied zwischen Gut und Böse ausmachen.

T.S. Orgel. Das Haus der tausend Welten.
Heyne Verlag. 14,99 Euro.

Share.