(Sach)Bücher für den nächsten Softdown

Dein Uni-Traum hat sich in ein Fernstudium gewandelt, das Campus-Feeling lässt nach und einige von euch ziehen vermutlich sogar zurück zu den Eltern – denn warum Miete zahlen in Stadt X, wenn es das Kinderzimmer in der Heimat (nach einigen Upgrades) genauso reicht?

Gut, an Onlinevorlesungen kann man sich auch gewöhnen. Was dabei aber oftmals aber auf der Strecke bleibt, ist der Spaßfaktor beim Weiterbilden. Neues lernen ist cool, kann an der Hochschule zum Zwang werden, weil einfach nicht jedes Themengebiet in seiner Tiefe so absolut faszinierend sein kann. Daher frisch aus unserer Redaktion völlig unterschiedliche Themengebiete als Vorschläge für dich, um dein Hirnschmalz im Lockdown Light zu nutzen, in dieser Reihenfolge: Brot backen, besser Zeichnen dank Technik und etwas Balsam für den etwas zu grüblerischen Kopf.

 

 

 

 


Brot backen wie ein Profi

Klar, schon im Frühjahr haben plötzlich alle Brot gebacken  – und gefühlt sind die meisten nicht besonders erfolgreich davon gekommen. Es braucht halt schon etwas mehr Handfertigkeit als nur Wasser, Mehl und Zutaten x, y und z zusammen zu mischen. Ist nicht umsonst auch ein Jahrtausende altes Handwerk. In diesem Buch geht der amerikanische (!) Autor das Brot backen (gelernt in Paris!) in voller Wissenschaftlichkeit an. Von den Nationalitäten nicht abschrecken lassen – es kommt unser klassisches Brot mit guter Kruste dabei heraus 😉 Seinen persönlichen Werdegang mag man einfach überspringen, aber in Sachen Prozessablauf gibt es jede Menge Tipps in Hülle und Fülle.

Der erste selbstgemachte Sauerteig! Da reicht auch eine kleine Menge, keine 12 Liter Schale, wie vom Autor netterweise vorgeschlagen …

Die Rezepte rangieren von Weiß- bis Mischbrot, von lang- bis kurzgeführt und von Backtriebzutaten wie Trockenhefe bis hin zu selbst gemachtem Sauerteig und Poolish. Wer richtig Brot backen lernen will, ist hier richtig – von der Theorie auf rund 80 Seiten zuvor darf man sich einfach nicht abschrecken lassen. Auch gewisse Vorschläge des Autors darf man getrost sehr frei auslegen, beispielsweise, dass Brote erst ab 1 kg Mehl beginnen und man dann eben 2 backt – alles halbieren funktioniert genauso. Ganz zu schweigen von Schüsseln, die 12 Liter fassen sollen. proportional klein rechnen hat bei den getesteten Rezepten genauso funktioniert.

Das Buch ist geeignet für alle, die tief in die Materie einsteigen wollen und ungeeignet für alle, die einfach mal ein Brot aus Hefe, Wasser und Mehl backen möchten. Einziges Manko: Wer auf der Suche nach einem Rezept ist, das reines Roggenbrot verspricht, ist hier fehl am Platze und mit Google vermutlich besser bedient. Das Brot, das aus dem Sauerteig entstand, war übrigens schneller aufgegessen als fotografiert – danke, liebe WG, für nichts 🙂

Das Buch selbst ist im Übrigen sehr hochwertig aufgemacht, richtig solide gebunden und hält definitiv mehrere Jahre in der Küche durch, ohne optisch in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Es durchzublättern heißt auch, absoluten Brot-Heißhunger zu entwickeln!

Alles über gutes Brot. Ken Porkish. 
EMF Verlag. 30 Euro.


DIY – Techniken fürs richtige Zeichnen

Wer seine Kreativität statt mit Doodlen lieber durch handfestes Technik-Know-how ergänzen möchte, kann sich mit diesem Buch etwas Quality-Offline-Zeit gönnen: “Perfekt Zeichnen mit dem Bleistift”, wie das Brot-Buch auch aus dem EMF-Verlag in München.

Obacht – es ist kein kunterbuntes Mitmach-Buch für kunterbunte Illustrationen, sondern es fokussiert sich auf Theorie und Wissen. Wer sich an dieses Buch macht, sollte entweder ernsthafte Absichten hegen für die Zukunft oder bereits über das allgemeine Kritzeln am Telefon hinausgewachsen sein. Hier geht es darum, seinen Zeichnungen mehr Volumen zu geben, durch Techniken dem Talent mehr Ausdrucksvermögen.

Die 11 Kapitel selbst sind geprägt von praktischen Beispielen, genauen Angaben wie der verwendeten Stiftart und wie sich welche Handhabung des Stifts anders auswirken könnte. Am Ende eines jeden Kapitels gibt es eine kleine Übungsaufgabe, sodass man durchaus auch praktische Einflüsse hat. Die Texte in den Kapiteln sind kurz und prägnant genug, um sie effizient durchzuarbeiten. Man muss sich also nicht stundenlang Zeit nehmen, um einmal etwas neues oder fundiertes zum Zeichnen zu lernen. Zudem kann man sich auch am Feierabend genug Zeit für das jeweiligen Fallbeispiel nehmen. Es ist also kein Theorie-Buch, dessen Wissen in ellenlangen Erklärungen präsentiert wird.

Wer meint, das ginge bestimmt alles auch per YouTube – sicher, aber erst einmal entsprechende Fachquellen suchen und außerdem ist es in der heutigen Zeit doch toll, einmal ein Hobby ohne Bildschirm ausüben / verbessern zu können. Offline-Quality-Time, die man sich selbst gibt.

Angela Schultheiss. Perfekt Zeichnen mit dem Bleistift.
EMF Verlag. 14,99 Euro.


… und falls es mit der reinen Ablenkung durch neues Wissen und positiver Weiterentwicklung deiner Fähigkeiten nicht geklappt hat oder einfach nicht reicht, weil der Softe Lockdown, fortan known as Softdown, verlängert wurde:

Tipps für emotional herausfordernde Zeiten

Mal dürfen Fitnessstudios öffnen, dann wird alles wieder regulatorisch einkassiert, mal hilft der Sonnenschein über triste Tage hinweg, ein anderes mal trifft der Gesamtumstand dich so richtig hart: Dieses Jahr ist einfach seltsam, verläuft komplett offroad und es ist okay, damit nicht okay zu sein.

Der Claim auf dem Cover ist minimal irreführend: Wie uns die unglamourösen Tage weiterbringen kann auch leistungsorientiert verstanden werden. Frei nach dem Motto: Schnell wieder raus aus den Grübeltagen, keine miese Laune zulassen, schnell wieder das perfekte Instagram-Leben führen. Das stimmt so nicht!

Das Buch startet direkt mit der gegenteiligen Aussage: Niemand muss immer gut drauf sein. Es geht nicht darum, wieder die topgelaunte Fashionista zu mimen, sondern den richtigen Umgang mit den negativen Tagen zu finden. Denn genau wie negative Emotionen kommen sie einfach ab und an vor. Läuft unter “ist halt so” und vor allem “wird immer wieder mal passieren”. Damit begibt die Autorin sich auf eine sehr realistische Reise. Da sie keine Psychologin ist, muss man alles auch mal kritisch für sich reflektieren, aber als Chefredakteurin des Magazins Happinez ist das Thema ihr absolutes Metier.

Abgesehen vom Inhaltlichen liest sich das Buch recht locker, weil kein überflüssiges Psycho-Geschwafel präsentiert wird, sondern kleine Beispiele, Ist-Analysen und Situationen, in denen sich einfach jeder mal wiederfindet. Insbesondere in diesem Jahr, in dem man sich manchmal die Ohren zuhalten und einfach Schaukeln gehen möchte. Zwischen den Kapiteln finden sich immer wieder nette Illustrationen mit Sinnsprüchen, die das Buch optisch etwas auflockern und vom andauernden Fließtext ablenken.

Bei schwerwiegenderen Problemen ersetzt das Buch definitiv NCIHT den Gang zum Psychologen oder ausgebildeten Profis – wer einfach ein wenig seine Grübeltage reduzieren oder den richtigen Umgang damit finden möchte (du bist nicht verrückt!), findet in diesem Buch eine Stimme der Vernunft, die völlig ohne Vorwürfe auf dich zukommt.

Handbuch für miese Tage. Eveline Helmink.
Irisiana Verlag. 22 Euro.

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