Wenn ein KB die Menschheit retten möchte

Die Sonne steht kurz davor, zu einem Roten Riesen zu werden und damit das Leben auf der Erde vollkommen auszulöschen. Das Künstliche Bewusstsein (keine KI!) Emily hat dem nichts entgegenzusetzen – ohne die Sonne fällt alles auf dem Planet wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Da kommen die Politiker tatsächlich auf die Idee, dass Emily von allen Menschen eine digitale Signatur erfasst und als eine Art digitale Arche ins All geschossen werden soll: Die letzte Chance der Menschen, dass die Technologie irgendwann so weit sein wird, dass aus den Signaturen wieder Leben entstehen kann. Der Scanvorgang offenbart etwas überragend überraschendes, das nicht nur Emily Pläne ändern könnte, sondern auch ziemlich gewalttätige Gegner auf das Spielbrett ruft …

Der Leseeindruck 

Das Setting denkbar seltsam gestaltet: Erzählt wird aus der ich-Perspektive von Emily, die darauf besteht, wegen ihrer emotionalen Komponente ein Künstliches Bewusstsein zu sein und damit mehr als eine Künstliche Intelligenz. Sie weißt also ein Ego auf und unterscheidet in höhere und niedrigere Lebensform… Es geht bei ihr demzufolge nicht um die technisch perfekte Lösung, sondern sie hat für sich selbst festgestellt, dass die Menschheit gar nicht so verkehrt und sehr rettenswert ist. Das führt Wiederrum zu einer Frage, die leider nicht ernsthaft diskutiert wurde: Muss man die Menschheit überhaupt retten?

Darin begründet sich direkt, warum der Autor zu einem KB greifen musste – jede KI wäre zum Schluss gekommen, die Menschheit wäre das maximale Problem (wie ginge das auch anders …). Wer sich etwas mit SciFi auskennt, hat sicherlich schon Isaac Asimov gelesen, der schon in den 50ern die ersten 3 Gesetze der Robotik festgelegt hat (unter anderem, dass die KI keine Menschen verletzen darf). Davon kehrt sich Wheaton ab und schlüpft in ein KB, das für meinen Geschmack so derart menschlich ist, dass es unrealistisch wird. Mein Anspruch an SciFi ist nicht, perfekt realistisch zu sein, was technische Aspekte betrifft – aber hier wird der Bogen des emotionalen Aspekts des KB doch etwas überspannt.

Sehr passend ist – und reißt den vorherigen Eindruck wieder raus – dass am Ende kaum Wert auf die Befindlichkeiten der Leserschaft gelegt wird. Wäre es eine rein romantische Geschichte, gäbe es einige Entwicklungen nicht in der vorliegenden Form – genauer geht es zwecks Spoiler leider nicht. Spannung kommt außerdem vor allem im letzten Drittel auf, wenngleich man sagen muss, dass anfangs durchaus Abwechslung entsteht. Beispielsweise, indem das Originalsetting nach einigen Seiten direkt wieder komplett aufgelöst und neu arrangiert wird. Dennoch fehlt dort die Spannung, die erst eintritt, als Emily einen gleichwertigen Widersacher bekommt und sich durchsetzen und siegen muss.

Das Fazit: Für SciFi-Einsteiger sicherlich sehr gut geeignet, weil es mit wenigen physikalischen und technischen Aspekten zu tun hat. Inhaltlich also mehr eine Gedankenspielerei, bis es am Ende Fahrt aufnimmt. Für SciFi-Kenner vermutlich einen Ticken zu allgemein bis langweilig.

Emily Eternal. M.G. Wheaton.
Heyne. 14,99 Euro.

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