Mord in bester Wikinger-Familie

Helga ist die zirka 13-jährige Ziehtochter des furchteinflößenden Unnthor und seiner nicht minder beeindruckenden Gattin Hildigunnir und lebt mit ihnen im Jahre 970 in einem ruhigen, grünen Tal. Doch die Ruhe ist bald dahin: Es steht ein Familienfest an, zu dem sämtliche leibliche Kinder des Paares erwartet werden – jeder Abkömmling ist selbst an der Härte des Lebens gereift und gilt als äußerst streitlustig. Insbesondere, weil immer wieder Gerüchte über einen Schatz auftauchen, den Unnthor angeblich versteckt haben soll. Es dauert auch wirklich nicht lange, da liegt der erste Sohn ermordet auf seiner Bettstatt – gerichtet mit Hildigunnirs Messer. Sofort erhitzen sich die Gemüter noch weiter und Helga findet sich plötzlich in einem Nest aus Ratten und Schlangen wieder …

Die Kritik

Zunächst beginnt das Buch mit der Vorstellung der Familie – da Helga, die junge Protagonistin – diese noch nicht in Gänze kennt, lernt der Leser die relevanten Personen gleichzeitig mit ihr kennen. Somit nimmt man immer Helgas Sichtweise ein und ist auf dem gleichen Wissensstand wie sie – der Prozess des Kennenlernens dauert allerdings etwas, sodass die Geschichte im ersten Drittel nicht richtig Fahrt aufnimmt.

Danach allerdings geschieht endlich der auf dem Klappentext angekündigte Mord und die Spannung steigt sofort an. Denn Helga steht mitten im Geschehen, beobachtet die Umgebung, sieht alles, hört zu und doch wird ihr kaum Beachtung zuteil. Ideal für die Fragen, die ihr im Kopf herumspuken. Außerdem scheut sich das junge Mädchen auch nicht, sich die Leiche genauer anzusehen, Wunden zu untersuchen – und zu guter Letzt das Nest auszuräuchern, in dem sich ein Mörder versteckt hält. Ihren Gedankengängen zu folgen wird zunehmend interessanter, denn sie verliert ihre anfängliche Scheu und lässt immer mehr dunkle Ideen übder ihr nahe stehende Menschen zu, die sie letztlich auch zur Identität des Mörders führen. Auf diese Art fasziniert der Autor seine Leser weniger mit Brutalität der Wikinger, was der einfache Weg der Spannungskurve gewesen wäre. Stattdessen erschafft er eine Situation, die an Sherlock Holmes erinnert – die Antwort liegt vor Helga, sie muss nur die richtigen Fragen stellen … Gerade die letzten Seiten *muss* man einfach an einem Stück lesen!

Übernatürliche Elemente werden übrigens auch in den Krimi gewoben, indem Helga beispielsweise einem seltsamen, alten Mann begegnet, dessen Identität nicht direkt verraten wird, aber dennoch einigermaßen offensichtlich sein dürfte. Wie dieses Element in den nächsten Bänden weiterhin auftaucht, ist eine sehr spannende Frage, vor allem, wenn man das Ende dieses Auftakts bedenkt.

Fazit: Anfangs ein wenig Durchhaltevermögen mitbringen und dann 2 Drittel exzellenter Geschichtserzählung folgen!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Snorri Kristjánsson. Blut und Gold.
rowohlt polaris. 16,99 Euro.

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