Ein Universum aus Tee

Elisa hat kein glückliches Händchen bei der Suche nach der großen Liebe, aber momentan ist sie eh mit anderen Dingen beschäftigt: Die Wohnung ihrer just verstorbenen Tante ausräumen, beispielsweise. Dort findet sie eine schwarze Teedose, die sie stark an ihre ebenfalls verstorbene Mutter erinnert – bis sie erkennt, dass sie genau von dieser stammt. Unter der Dose klebt ein Etikett, das den Namen eines kleinen Bergdorfes in Italien trägt – vielleicht ein Hinweis auf eine völlig unbekannte Teesorte, vielleicht aber auch einer, der Elisa auf die Spur ihres unbekannten Vaters bringen könnte …Von ihren Freundinnen unterstützt macht Elisa sich auf zu einem alles entscheidenden Rechercheurlaub.

Die Kritik

Die Inhaltsangabe auf der Rückseite ist wunderbar – ein Hauch Exotik, ein bisschen Feelgood und ein bisschen persönliches Drama umwehen die Nase des neugierigen Lesers. Er verspricht leichte Lektüre für zwischendrin. Allerdings geht es vorrangig um zwei Liebesgeschichten, weswegen ein Blick auf die Autorenvita an dieser Stelle ganz hilfreich ist: Roberta Marasco “arbeitet als Übersetzerin und hat irgendwann gemerkt, dass sie ihren Gefühlen im Alltag nicht genug Raum lässt.” Also schüttet sie all die “romantischen Gedanken” in ein Buch und wirft mit Plattitüden um sich, dass es eine wahre anti-Freude ist.

Da wird sich geliebt, “getrieben von dem Wunsch, sich zu finden”. Da entwickelt die Protagonistin toxische Verhaltensmuster, um “ihm” bloß keinen Vorwurf machen zu müssen – lieber denkt sie sich absurde Gründe aus, weswegen er sich streckenweise mies verhält. Nachdem sie eine Nacht miteinander hatten und sich Wochen später wiedersehen, ist sie enttäuscht, dass er sie seinem Vater (mit dem er sich chronisch streitet) nur als “eine” Freundin vorstellt. Als sie sich nach 9 Jahren wiedersehen, er ausgerechnet an der Seite einer ihrer Freundinnen, schwankt sie innerhalb eines Absatzes zwischen “Schock”, “keine Hoffnung” und “der Schmerz war mit einem Mal fortgespült” sowie “vielleicht gibt es eine zweite Chance”. Respekt, diesen Gefühlstornado muss man sich erst einmal ausdenken. Diese tomantischen Überfälle konzentrieren sich auf das erste Buchdrittel – sobald die Autorin einfach nur Elisas Geschichte erzählt, ganz ohne Mann im Hintergrund, entwickelt die Geschichte sich ganz wunderbar. Leider ist auch das Ende wieder toxisch (der nächste Halbsatz könnte als Spoiler gewertet werden!), denn er bekommt seinen Traum, sie wirft alle Prinzipien über Bord und passt sich vollständig ihm an.

Dazu übertreibt die Autorin es etwas mit dem Fokus auf Tee. Die Idee, dass die Mutter eine spezielle Lieblingssorte hat, die Elisa auf die Spur eines Familiengeheimnisses bringt, hätte vollkommen ausgereicht und wäre eine ganz wunderbare Idee gewesen, aber nein:

  • Sie selbst liebt Tee,
  • arbeitet in einem Verlag, der sich nur auf Bücher über Tee fokussiert,
  • hält Teekränzchen mit ihren Freundinnen ab
  • sortiert Menschen in Teesorten ein
  • hört sich CDs an, in denen die Geräusche von Teesalons aufgezeichnet werden
  • und stellt fest, dass natürlich Daniele derjenige ist, der diese CDs produziert.

Das ist summa summarum zu viel und macht ganz viel Lust auf Kaffee. Das Buch ist schnell gelesen, lohnt sich aber leider trotzdem nicht.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Roberta Marasco. Der Duft der weißen Kamelie.
9,99 Euro. blanvalet.

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