Ein ungehört eigenwilliges Frauenzimmer

Ihr Vater “hinterlässt” nur zwei Töchter – also ist doch glasklar, dass der zukünftige Ehemann von Maria Theresia einmal das Großherzogtum Österreich regieren wird. Oder? Doch die alten Männer mit dem noch älteren Dünkel machen ihre erste Rechnung ohne den eigenwilligen Kopf der jungen Maria gerechnet: Sie lässt sich nicht nur unterrichten und quasi zur aktiv regierenden Großherzogin ausbilden, sondern sucht sich auch ganz bewusst eine besondere Ehe raus. Eine, in der eben nicht ihr Mann am Ende das Sagen hat. Was wiederrum einen ganz bestimmten Typ Mann erfordert, der dennoch in einer Zeit erzogen wurde, in der die Frau riesige Kleider und der Mann nun mal die Hosen anhatte. Zeitgleich ist so ein Großherzogtum nicht gerade ein kleines Adelsgut, das nur ein wenig Verwaltung benötigt – Maria Theresia hat sich ordentlich was auf das silberne Tablett geladen …

Ein Mann ohne (Regierungs-)Aufgabe hat zweifellos Zeit für die eine oder andere Zerstreuung, während die Gattin höflich wegsehen “muss” …

Die Kritik

Die beiden Episoden beginnen mit einer sehr jungen Maria-Theresia, die noch gar nicht an die Regierung denkt, sondern lediglich an die Liebe und die Ehe, die ihr versprochen wurde. Das ist direkt der Fokus der Serie: die Liebesgeschichte zwischen ihr und Franz Stephan von Lothringen. Was man vorab wissen sollte, wenn man ein Geschichts-Nerd ist und eine akkurat aufbereitete Erzählung erwartet. Maria Theresia hatte viele Rollen inne, einige klassisch, andere als Vorreiter – hier kommt vorrangig das verliebte Mädchen zum Einsatz. Damit greifen die beiden Episoden inhaltlich sehr kurz.

Es geht also nicht darum, wie das Großherzogtum durch eine herausfordernde, AKA spannende Zeit manövriert werden muss. Der gesellschaftliche und kulturelle Kontext spiegelt sich lediglich in der verminderten “männlichen Rolle” wieder, in der der werte Gatte steckt – seines eigenen Throns beraubt, reine Dekoration an der Seite der Großherzogin und leider wenig überraschend auf zu erwartenden Abwegen. Natürlich kann man argumentieren, dass man bei der Serie inhaltlich durch die Geschichte gebunden ist. Jedoch ist die Serie keine Dokumentation und eine Erweiterung des Interpretationsspielraums hätte dem Verlauf deutlich mehr Griffigkeit, Abwechslung und Spaß geben können.

Historische Akkuratesse ist darüber hinaus nicht zu erwarten, sodass insgesamt leider keine Empfehlung für diese Verfilmung eines an sich extrem spannenden Schicksals gegeben werden kann. Zu langatmig für eine Liebesgeschichte, zu inakkurat für Historienliebhaber, zu wenig spannend für reguläre Zuschauer.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Maria Theresia
2 Episoden à ca 100 Minuten

Ab dem 30. November im Vertrieb von polyband fürs Heimkino erhältlich.

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