Ein mütterlicher Fluch gone wrong

Helen Lambert ist frisch geschieden von Roger, 33 Jahre alt, lebt in Washington D.C – und ist auf dem Weg zu einem Blind Date mit Luke, das ihr bester Kumpel Mickey organisiert hat. Doch der Typ scheint ihr gar nicht zu entsprechen, zumindest, bis er so tut, als würden sie sich schon ewig kennen. Und so verrückt es Helen auch erscheint, aber sie bekommt wahnsinnig realistische Träume von anderen Frauen, die ihr verdammt ähnlich sehen.

Ihr Date? Kommt bei ihr vorbei und sagt ihr geradeheraus, dass er die Träume kennt – denn es ist wahr: Helen hat schon einige Leben hinter sich und alle gingen unglücklich aus. Grund ist ihre Liebe zu einem Maler, damals in Frankreich. Ihre Mutter, eine niedere Hexe, verfluchte diese Liebe und machte dabei einen eklatanten Fehler. Sie band die Seele ihrer Tochter an das Schicksal des verfluchten Malers – und so steuert Helen unter dem Beschützer (Luke) auf die erneute Vollkatastrophe zu …

Der Leseeindruck

Eine Liebesgeschichte über Jahrhunderte, die schön, streckenweise süß, beklemmend und nachdenklich machend erzählt wird. Gemischt wird diese Geschichte mit Hexen, einem Dämon, Themen wie Wiedergeburt, Eigenverantwortlichkeit eines menschlichen Lebenswegs und Schicksalsgrübeleien. Die Emotionen wachsen zart heran, sind nicht offen zur Schau getragen und meistens geht es darum, die bisherigen Leben zu rekonstruieren, damit Helen weiß, womit sie hier wirklich arbeiten muss. Am Ende geht es um die Liebe, aber vorher geht es um eine Reise eines Bewusstseins durch die Jahrhunderte, was bisweilen Längen aufweist und Wiederholungen.

Schön ist, dass das Thema Magie, Hexerei und Dämonen nicht zu stark im Vordergrund stehen. Sie sind die Werkzeuge, die die eigentliche Erzählung möglich machen und Logiklücken schließen und gut ist es damit. Ansonsten nutzt die Autorin die Gegenwart, um die Leserschaft in ihre Geschichte zu ziehen, während die Vergangenheit sich Stück für Stück enthüllt. Helen wandelt sich von einem kleinen, unbedarften Dorfmädchen zu einer selbstbewussten Frau, die immer weniger hinnimmt und immer stärker ihr Schicksal in eigene Hände nehmen möchte. Dafür scheint es allerdings erstaunlich, dass Helens Geschichte relativ platt verläuft. Sie ist das Ende der Erzählung, die im Vergleich zu vorherigen Leben wenig mitmacht, sondern selbst eher in der beobachtenden Position verharrt. Hier hätte etwas mehr Action, Zweifel und Probleme für deutlich mehr Spannung sorgen können.

Insgesamt ein tolles Buch, das man auch super am Stück während einer langen, langen Zugfahrt ohne jegliche Klimaanlage bei 30 Grad & blankem Sonnenschein gut lesen kann. Nicht, dass das wirklich passiert wäre oder so 😉

Achtung, Triggerwarnung für Vergewaltigung und Gewalt gegenüber jungen Frauen.

Wenn die Dunkelheit endet. Constance Sayers.
Heyne Verlag. 14,99 Euro.

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