Abschied von einer Legende

Der Streit zwischen Iron Man und Captain America ist zu Ende. Die einen Avengers sind von der US-Regierung gefangen genommen worden, die anderen befinden sich auf der Flucht. So auch Natascha Romanoff alias Black Widow. Während sie sich in einem Wohnwagen im Wald versteckt halten möchte, erreicht sie ein Botschaft aus ihrer Vergangenheit: Dreykov, der sadistische Leiter des sogenannten „Black Widow“-Programms im Red Room, ist nicht gestorben, sondern hat sich über viele Jahre hinweg eine ganze Armee an jungen, willenlosen Widows herangezüchtet! Ihre Flucht und der Plan, sich bedeckt zu halten, wird neben solchen Neuigkeiten absolut unwichtig. Natascha begibt sich zurück in ihre dunkle Vergangenheit – aber um Dreykov zu zerstören und die anderen Widows zu befreien, muss unsere Black Widow tief in die Kampftrickkiste greifen. Und das zusammen mit ihrer doch eher psychisch auffälligen (Schläfer-)Familie aus Kindertagen in Ohio

Um an ihr Ziel zu kommen den Red Room zu erledigen, müssen sie zunächst ihren Fake-Dad aus eine Gefängnis befreien – Alexei freut’s. Photo by Jay Maidment. ©Marvel Studios 2021. All Rights Reserved.

Der erste Eindruck

Die Geschichte der Black Widow ist natürlich aus „Avengers Endgame“ bekannt und daher ist der Film erst einmal ein Wiedersehen mit dem markanten Rotschopf. Bisher haben wir Zuschauer:innen immer wieder kleine Ausschnitte des dramatischen Einzelschicksals erfahren – jetzt geht es also um die Zeit, in der die Avenger Persona Non Grata waren. Gerade während diese Superheld:innentruppe am Boden liegt, wird Natascha mit ihrem jetzt wertlosen und nie bezahlten Superheldinnen-Status konfrontiert – von den Menschen, die sie eigentlich nicht mehr sehen sollte/wollte: Ihre fake Familie aus Ohio, die doch irgendwie aus kindlich-emotionaler Sicht mehr war. Die erste Erkenntnis ist, dass Nataschas Leben leider gar kein Einzelschicksal war.

Photo by Jay Maidment. ©Marvel Studios 2020. All Rights Reserved.

Im Fokus: Die Schwester der Black Widow

Taff, Taffer, Romanoff! Wir alle kennen den Avenger als Einzelkämpferin, aber nun bekommt Black Widow einen Sidekick. Und der hat es in sich, denn er ist nichts geringeres als ihre Schwester Yelena, welche ebenfalls eine ausgebildete Profikillerin ist. In facto: Es wird ein emotionales und actionreiches Wiedersehen!

Mit Witz und Humor, respektive einer gewaltigen Ladung Sarkasmus, gleicht die kleine Schwester der Black Widow die bitterlich ernste Mission aus. Sie nimmt sich und andere nicht immer für bare Münze, hat meist einen flotten Spruch auf den Lippen und holt ihre große Schwester zurück auf den Boden der Tatsachen. Sie ist es, die das Herz der Black Widow bewahrt. Die kleine Blondine hält somit nicht nur Action und gute Punches bereit, sondern das Sarkasmuslevel auf oberster Stufe. Yelena ist einfach ein legendärer Sidekick, den man ins Herz schließen muss und die heimliche Hauptrolle des Films.

Die Familie & der freie Wille

Es hat was von einer klassischen Familienstreitigkeit an Weihnachten, in der sich gegenseitig vorgeworfen wird, wer es wohl besser getroffen hat und wer das meiste Mitleid verdient. Doch damit macht man bei Natascha und ihrer Schwester ein riesiges Fass auf: Zwangsunfruchtbar gemacht, misshandelt, Gehirnwäsche, Ideologie – und im Falle ihrer kleinen Schwester sogar die vollständige Kontrolle und Übernahme des Körpers. Den freien Willen entzogen zu bekommen, wiegt für sie schwerer als alles andere. Doch so hart, durchtrainiert und abgefeimt beide wirken: Wenn es darum geht, einem Schwein das Leben zu retten, beweisen sie, dass sie ihr Herz weiterhin am rechten Fleck tragen. Das führt zu der wirklich sehr berechtigt gestellten Frage „Wie konnten sie beide bei all den Erlebnissen ihr Herz behalten?“. Ein wirklich inspirierender Umstand, der sich direkt auf die weitere Handlung und andere Charaktere auswirkt.

Schmerz darf gefühlt werden

Während viele Marvelhelden ihre Vergangenheit nie wirklich aufarbeiten und ihre Gefühle hinter Sarkasmus und lustigen Sprüchen verstecken, dürfen die Figuren in Black Widow wirklich ihre Emotionen zeigen. Die Charaktere leiden, trauern und müssen die düstere Vergangenheit auf schmerzliche Art und Weise aufarbeiten. Dramatische Momente werden nicht einfach runter gespielt, sondern werden gezeigt, gelebt und gefühlt. Vor allem die Tatsache, dass die ausgebildeten Black Widows ihre Emotionen offenbaren, lässt den actionreichen Spionage-Thriller nicht zu streng wirken und schafft ein Band zwischen den einzelne Figuren und den Zuschauer:innen.

Der Abschied von Natascha

Der Film zeigt zwei Leben, die fremdbestimmt wurden und nur noch aus einem einzigen riesigen Kampf bestehen. Das bewirkt natürlich, dass man Natascha als Charakter „die Ruhe“ gönnt und hofft, dass ihre kleine Schwester es etwas besser machen kann. Den Cliffhanger dazu wollen wir auf gar keinen Fall spoilern … Alles in allem ist es ein würdiger Abschied von einer selbstbewussten, starken Frau mit Herz, die nicht bereit war, sich selbst aufzugeben und dieses Geschenk auch anderen jungen Frauen gemacht hat. Die Mankos am Film halten sich alle in Grenzen, sodass es eine absolute Empfehlung für alle Marvel-Fans gibt. Wer sich mit dem Cinematic Universe von Marvel nicht auskennt, wird einige inhaltliche Stolperfallen erleben.

BLACK WIDOW
Kinostart ab dem 8. Juli (wo möglich) im Verleih von Disney / Marvel

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