Zeugenschutz auf Russisch

Darum geht’s

Die Geschichte beginnt für den Leser im Flugzeug nach Frankfurt. Man erfährt zunächst nicht viel über die Hauptperson, nur dass sie eigentlich Iwanka heißt, ihre alte Identität aber gestorben ist und sie sich nun an einen neuen Namen gewöhnen muss. Unter dem Namen Jekaterina beginnt die Protagonistin ein neues Leben, mit Ehemann und Kindern in Deutschland, was ihr insgesamt nicht so gefällt – sie hat es sich schließlich nicht ausgesucht, im Zeugenschutzprogramm zu landen. Ohne Berufsausbildung und mit geringen Deutschkenntnissen versucht sie sich durch ihr neues Leben zu schlagen, doch so einfach ist das gar nicht. Sie und ihr Ehemann können sich nicht leiden und dessen Kinder sind auch nicht begeistert von ihrer neuen Mutter. Noch dazu verliert sie einen Job nach dem anderen, sodass der für sie im Zeugenschutz verantwortliche Beamte bald schon Schnappatmung bekommt, wenn er ihren Namen hört. Doch langsam gewöhnt sie sich an Deutschland, auch wenn das Heimweh nicht loszuwerden ist …

Der Eindruck vom Buch
Der Titel macht neugierig und deutet schon darauf hin, dass es sich mehr um unterhaltsame Lektüre statt bierernstem Lesestoff handelt. Das Buch bedient sich gefühlt allen gängigen Klischees, sowohl deutschen als auch russischen: Die Deutschen sind pingelig, legen Wert auf ihre Hausordnungen und auch die anderen Regeln und ungeschriebenen Gesetze des täglichen Lebens. Prinzipiell sind alle Behörden spießig und fürchterlich. Die Russen trinken gerne, hauptsächlich Wodka, die Frauen sind sehr auf ihr Äußeres bedacht und wenn sie Deutsch sprechen klingt das “h” wie ein “ch”.

Mal davon abgesehen ist es ein wirklich sehr unterhaltsames Buch, das einem mal wieder vor Augen führt, welche Vielfalt doch die deutsche Sprache hat. Wanka/Jekaterina ist regelmäßig verwirrt von Ausdrücken und Sprichwörtern und benutzt diese auch meistens ein wenig falsch. Die Worte, die Wanka neu lernt und zunächst nicht versteht, sind immer der Titel eines Kapitels, wie zum Beispiel “Sankt-Nimmerleins-Tag”.

Teilweise ist es aber auch anstrengend, dass Wanka ständig kündigt oder gekündigt wird, sei es wegen sexueller Belästigung oder weil sie ein Wildschwein verfolgt. Auch das Ende des Buches ist nicht weiter überraschend (SPOILER-ALERT), da der Ehemann, den sie zu Beginn so gar nicht ausstehen kann, ihr immer öfter zur Hilfe kommt und sie sich somit auch immer näher kommen.

Es ist kein Roman, der von Anfang an fesselt, da man erst einmal mit der Hauptfigur ein bisschen warm werden muss. Doch je weiter man kommt, desto mehr erfährt man von Wankas früherem Leben, das sie zurücklassen musste. Ein Buch das unterhält, aber auch Tiefgang und einige traurige Szenen kann.

Wanka würde Wodka kaufen. Jule Kaspar
Droemer Knaur. 9,99 Euro

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