Willkommen in Belmont Bay!

Obacht: Teil einer 3er-Reihe, wobei sich der Fokus auf bestimmte Protagonisten pro Buch ändert, sodass man die Bücher auch unabhängig voneinander lesen kann.

In einer kleinen Stadt in Idaho haben die Adoptivschwestern Megan und Mia ein Zuhause gefunden – willkommen in Belmont Bay. Mia ist frisch verliebt, aber Megan taumelt durch den Alltag. Ihr macht es extrem viel aus, ihre biologische Familie nicht zu kennen. Zumal ihre Erinnerungen oft Streiche spielen und sie die Spur ihrer Mutter immerhin bis Belmont Bay verfolgen konnte. Doch sie kommt nicht weiter bei ihrer Suche und das hemmt sie komplett in ihrer Weiterentwicklung. Da weht der Wind plötzlich Leo in die kleine Stadt. Er soll eigentlich als Privatdetektiv jemanden überwachen, doch als Megan und er aufeinander treffen, gerät vieles durcheinander. Nicht zuletzt bei den beiden, denn jeder trägt diverse Narben auf der Seele, die man nicht ignorieren kann. Genauso wenig aber auch die Gefühle, die zwischen ihnen aufkeimen …

Der Leseeindruck

Hier geht es um so viel mehr als Romance. Wir haben zwei Protagonisten, die beide ihre Päckchen tragen und nicht gerade die idealisierten Figuren einer Romance-Geschichte sind. Sie machen Fehler und haben keine geradlinige Vergangenheit. Sie heilen und entwickeln sich weiter, auch miteinander, ohne direkt voneinander abhängig zu sein, was eine wirklich wichtige, massive Unterscheidung ist. Insofern macht das Buch Mut, auch wenn das nun schon ein schnelles Vorab-Fazit ist – man muss als Mensch nicht perfekt sein, um Liebe zu finden. Man sollte an sich als Person arbeiten, ja, aber man ist es Wert, geliebt zu werden. Eine sehr wichtige Message, die neben der Liebesgeschichte eingeflochten wird, ohne dass die Handlung seltsam konstruiert wirkt, nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich sehr geschickt. I like!

Die Charaktere sind darüber hinaus sehr realistisch angelegt. Man könnte sie jederzeit so im wahren Leben treffen und sich auf den Barhocker neben sie setzen. Entsprechend nicht-gestelzt ihre Dialoge, die einfach regulär zwischenmenschlich sind. Da kann man sich super schnell ein- und mitfühlen, wobei es beim Stichwort „fühlen“ angebracht ist, das geringe Drama-Potenzial anzumerken: Beispielsweise Leo, der Megans emotionales Fluchtverhalten (an-)erkennt und die Grenzen klar benennt, die er mitzutragen bereit ist. Der Faktor geringes Drama-Potenzial“ ist in meinem Verständnis also absolut positiv und als Kompliment gemeint.

Aber was ist nun mit der Romanze?

Na die gibt es schon auch 😀 Dass die beiden zueinander gehören sollen, ist von Anfang an klar. Spannend ist die Frage, wie Megan das Verschweigen von Leo aufnimmt, wie sich die brenzlige Familiensituation in die Romanze einfügt und ob Megan eeeendlich mal Gefühle zulässt und nicht gleich wieder wegrennt. Dass man mit ihnen mitfühlt und sich fragt, wann die Blase platzt, gibt es auch beim romantischen Handlungsstrang eine gewisse Spannung und Neugier.

Das Fazit

In sich perfekt abgerundet und ein sehr schönes Leseerlebnis.

Justine Pust. With you I hope.
Knaur. 12,99 Euro.

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