Spacer Raus!

Die Menschen auf der Erde sind nicht mehr allein: Über der Stadt New York haben sich die Spacer ihren Wohnraum gebaut. Das Verhältnis zwischen ihnen und den Menschen ist mehr als nur angespannt – und dann wird ein Spacer ermordet …

New York City ist keine normale Stadt mehr, sondern existiert unter einer enormen Kuppel aus Stahl und Glas – damit ist sie eine von vielen Stahlhöhlen. Die Menschen leben in ihnen, verlassen die Stadtgrenzen nur noch in von der Natur abgeschotteten Transportwegen. Alles Natürliche ist für die Menschheit verloren – auch ihre Ernährung besteht aus kompliziert verarbeiteten Hefekulturen. Vor zwei Jahrzehnten schließlich kamen die Spacer zurück zur Erde: Nachkommen der Generationen, als die Menschen begannen, den Weltraum zu kolonisieren. Mit sich brachten sie ihre neuesten Entwicklungen und ihre gesellschaftliche Normen: Nicht mit den dreckigen Erdenmenschen in Kontakt zu kommen und hoch entwickelte Roboter.

Gerade die Roboter werden von den Menschen gehasst, mehr noch als die Spacer. Ein friedliches Zusammenleben ist nicht möglich und ein Krieg könnte bevorstehen: Ein Spacer wurde ermordet. Tatverdächtig? Alle Bewohner der Stahlhöhle New York City. Das Ermittlungsteam: Ein menschlicher Cop (Baley) – und ein hoch entwickelter Roboter. Ein kleiner Krisenherd inmitten einer gigantischen Bombe, die jederzeit zünden könnte …

Die Kritik

Isaac Asimov ist der Wahnsinn. Diesmal konzentriert er sich nicht so sehr auf die technologische und damit SciFi-Seite seiner Geschichte. Dieses Mal serviert er uns einen fast schon klassischen Krimi. Der Leser springt von einer Vermutung in die nächste: Der Ermittler, der Baley zur Seite gestellt wird, ist ein Roboter. Ist der Zwischenfall am Ende nur konstruiert wurden, um den Menschen selbst beweisen zu lassen, dass Roboter bessere Arbeit leisten? Damit die Menschen keine Argumente mehr haben, sich den Robotern in den Weg zu stellen?

Interessanterweise begegnen die Leute seines Buches den künstlichen Artgenossen mit der gleichen Haltung, wie unsere Leute heutzutage den Flüchtlingen. Das ist so realistisch, dass man etwas Muffensausen bekommt. Denn Roboter sind künstlich – was stellt eine verrohte Gesellschaft mit Robotern = Produkten an, die sie bedrohen, wenn wir heute schon Menschen im Meer ertrinken lassen?

Dass die Menschheit in Höhlen wohnt, kann gar nicht anders verstanden werden: Trotz all des Fortschritts sind die Menschen kulturell wieder einen mega Schritt rückwärtsgegangen: Sie sind Höhlenmenschen. Die Natur wäre in Greifweite, sie kommen nur nicht auf die Idee, rauszugehen. Wenn das mal keine dunkle Vorhersage für die Menschheit ist.

Ganz bleibt die Technologie auch nicht außen vor: Er beschreibt nichts weniger als die Nutzung von Skype – 60 Jahre bevor irgendjemand an die Umsetzung gedacht hat. Das ist immer so ein faszinierendes Lesen bei Asimov: Was erkennt man aus dem eigenen Leben wieder, was Asimov so viele Jahrzehnte zuvor schon vorausgesehen hat?

Da rückt der eigentliche Krimi in den Hintergrund. Das Ende ist nicht sehr überraschend und wird schon ein Weilchen vor der letzten Seite angesprochen. Damit ist es nicht das stärkste Asimov-Buch, aber immer noch ziemlich cool!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Isaac Asimov. Die Stahlhöhlen.

Heyne Verlag. 8,99 Euro.

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