Memoiren einer sympathischen Antiheldin

Grace sitzt im Gefängnis – angeklagt wegen eines Mordes, den sie nicht begangen hat. Das Paradoxon: Sie ist eine Serienmörderin, die mit ihren sechs Morden ungeschoren davongekommen ist. Aber sie hat aus gutem Grund gemordet. Die junge Frau möchte sich an ihrer Familie rächen. Eine Familie, die Grace als uneheliches Kind verstoßen hat. Eine Familie, die Grace nicht in ihrer feinen und reichen Gesellschaft haben möchte. Aber noch mehr treibt sie der Zorn an, denn Grace Mutter wurde von dem Artemis-Sprössling nach allen Regeln der Kunst verführt und weggestoßen wurde.

Leseeindruck

Die Ich-Erzählerin Grace nimmt uns Leser:innen mit auf ein ausgesprochen ungewöhnliches Abenteuer, bei dem die Rache im Fokus steht. Zum einen Teil soll der Thriller einem Tagebuch ähneln, denn die junge Frau möchte ihre Zeit im Gefängnis dazu nutzen, eine Art Geständnis über ihre Morde und die Planung dieser zu Papier zu bringen. Es ist ein komplett anderes Konzept! Eine Art Buch in einem Buch. Die Autorin hat die Gegenwart mit der Vergangenheit so gut verknüpft, dass man als Leser:in den Eindruck bekommt, neben Grace auf der Gefängnispritsche zu sitzen und ihr Geschriebenes mitzulesen.

Humor? Humor!

Neben den detaillierten, blutigen Morden hat der Thriller eines in großer Portion zu bieten: Humor. Sarkasmus und schwarzer Humor kommen keineswegs zu kurz. Entweder lässt Grace ihrer inneren Zynikerin freien Lauf oder es passieren absurde Situationen – egal ob in der Gegenwart oder der Vergangenheit. Auch die beschriebenen Personen um Grace herum werden sehr zugespitzt dargestellt. Beispielsweise ihre Zellengenossin: Sie ist mit so vielen Klischees überladen, dass man über Grace Abscheu nur schmunzeln kann und mit ihrem Leid, dass sie dort mit der anderen Frau eingesperrt ist, mitfühlen kann. Auch die sehr einfallsreichen Morde sind urkomisch. Wer als potenzieller Leser oder potenzielle Leserin die Befürchtung hat, blutige Messerstechereien und Morde á la Fitzek zu verfolgen, wird überrascht sein. Jeder Mord hat seine persönliche Note und wird von Grace akribisch geplant und nicht immer ganz planmäßig ausgeführt.

Fazit

Der Thriller von Bella Mackie ist etwas ganz Neues. Man darf einer Antiheldin bei ihrem Rachefeldzug begleiten und kann nichts außer Sympathie für sie empfinden. Man will, dass sie es schafft. Wie oft kann man sagen, dass man auf der Seite des Mörders steht? 😉 Und wer zwischendurch den Gedanken hat, dass es sich etwas zieht: Das Ende wird euch umhauen!

Lisa Albrecht (academicworld.net)

Bella MackieHow to kill your family.
Heyne Hardcore. 22,00 Euro.

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