Magische doppelte Lottchen

Obacht, Reihenauftakt – Umfang der Reihe bisher unbekannt.

Wren und Rose sind Zwillinge, aber nur Wren weiß, dass sie eine Schwester hat. Sie wachsen von Geburt an getrennt auf – denn die Hexen im Königreich Eana planen einen großen Coup. Vor Jahrtausenden wurde die letzte Hexenkönigin gewaltsam und zu Unrecht gestürzt, seither regiert die Familie Valhart mit voller Härte und schürt den Hass gegenüber Hexen. Als Kronprinzessin von Eana wird Rose Hexen-hassend erzogen, während ausgerechnet Wren eine Hexe ist und inmitten anderer Hexen aufwächst. Sie trainiert, um Rose im fliegenden Wechsel zu ersetzen und endlich wieder eine Hexenkönigin auf dem eanaeischen Thron zu setzen. Ein Plan, der an vielen Herausforderungen scheitern könnte, denn das Reich Eana ist eine reife Frucht, die ein gegnerisches Reich mittels Hochzeit pflücken möchte und dann wären da noch die romantischen Gefühle … Shen (Freund von Wren) löst das berühmt-berüchtigte Kribbeln bei Rose aus und Tor – Leibwächter von Roses Verlobten – wirft Wren glühende Blicke zu …

Der erste Eindruck

Es geht sofort los: Wir lernen Wren kennen, die direkt vor den Palastmauern steht und diese überwinden muss, damit Shen ihre Schwester Rose entführen kann. Trotz ihres Trainings kommt sie nicht umhin, Gefühle für ihre Schwester zu hegen, die Wren schlicht menschlich machen und zeigen, dass sie keine kalte Assassine ist. Das legt eine sehr schöne Basis für den Charakter und die weitere Handlung. Die beiden Hauptpersonen sind wirklich sehr gut konzipiert, man kann sie sofort sehr gut leiden und nicht nur haben sie das Herz am rechten Fleck, sondern beide stecken voller Energie. Das macht Spaß beim Lesen!

Doch etwas einseitig?

Man erlebt die Geschichte an der Seite von Wren und Rose, sodass man mit ihnen lernt und selbst erst Stück für Stück entdeckt, worum es wirklich geht. Die beiden Love Storys sind so unterschiedlich wie die Schwestern, entsprechend bieten sie nicht nur Kribbeln und Freude, sondern auch Abwechslung. Zumal immer mehr die Freude ansteigt, wenn man daran denkt, dass sie irgendwann aufeinander treffen müssen … Bei dieser Betrachtung fällt einem aber auch auf, dass Wren die einzige Person ist, die die Handlung wirklich vorantreiben kann, denn Rose ist hauptsächlich mit ihrer Entführung und ihrer daraufhin stattfindenden Entwicklung beschäftigt.

Wren ist allerdings auf sich allein gestellt. Da fragt man sich, ob das Reich Eana wirklich nur von einer Königsinstanz mit einem weiteren Berater regiert wird? Es gibt keinen Rat? Keine tieferreichende Hierarchie? Dann hätte ich als Untertan auch lieber keine 18-Jährige vollbefugt auf dem Thron, die über Leben und Tod entscheidet. Auf Hexenseite ist Wren voll unter der Fuchtel ihrer Großmutter aufgewachsen, die vielleicht mehr Rache im Sinn hat als Gerechtigkeit. Hier kann man eine gewisse coming of age-Storyline erwarten, wenn Wren sich davon abnabelt und einen eigenen Kopf entwickelt. Alas, Rose und Wren sind das kleinere Übel und wollen wenigstens etwas Gutes bewegen! Behalten wir lieber sie als Heldinnen.

Komplexe Erwartungshaltung an Band 2

Politisch könnte es richtig spannend werden, wobei der Großteil auf die Folgebände entfallen dürfte. Schließlich lebt das Reich Eana nicht erst seit hundert Jahren mit einer hexenfeindlichen Ideologie. Was hier alles noch durchlebt und aufgearbeitet werden muss, bis eine Hexe auf dem Thron sitzen kann, ohne dass es Revolten und Tote gibt, wird eine spannende Frage für die Folgebände. Das kommt irritierenderweise in diesem Band 1 sehr kurz und wird nicht weiter vertieft, obwohl das ein wirklich massives Thema ist. Hier hätte das Buch easy richtig episch und komplex werden können, stattdessen wirkt es nun doch etwas kindlich. Hoffentlich Spoilerfrei – kleinen Punktabzug gibt es dann auch für das Teenie-Gehabe der beiden Schwestern gegen Ende. Auf der anderen Seite erhöht sich so das Potenzial für Folgebände, weil es einfach noch die Möglichkeit gibt, Charaktere und Handlung weiterzuentwickeln. Das technische Handwerk beherrschen die Autor:innen und ihr Lektorat auf jeden Fall.

Das Fazit

Starker Auftakt, flacht gegen Ende etwas ab, Band 2 wird trotzdem mit Freude erwartet.

Zwillingskrone. Catherine Doyle und Katherine Webber.
Heyne. 15 Euro.

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