Lovestory in Plymouth

Valerie hat gerade ihren Ex abgeschossen, nachdem der spielsüchtige Typ ihr das Konto leergeräumt und sie zu allem Überfluss belogen und betrogen hat. Doch einen Traum konnte er ihr nicht nehmen: Ein Auslandssemester in Plymouth, wo schon ihr verstorbener Vater Zeit am College verbracht hat.

Dort lernt Val, ihres Zeichens übrigens angehende Modefotografin, den überraschend jungen und gut aussehenden Vermieter Parker Gibson kennen – und sofort prickelt es zwischen den beiden. Als aus dem Prickeln mehr wird, stehen die beiden sich leider gegenseitig und auch selbst im Weg: Parker verheimlicht seine Tochter Jil und dass er verwitwet ist, Val denkt grundsätzlich zu negativ und vermutet aufgrund ihrer Erfahrung erst einmal das Schlimmste. Damit hier ein Happy End daraus wird, braucht es fast schon ein Wunder …

Zarte Lovestory?!

Direkt am Anfang geht es heiß her zwischen den Protagonisten, wer also eine reine Lovestory sucht, sollte sich eher an die Bücher der Bronte-Schwestern halten. Der Einstieg kann aber auch einfach etwas spleenig eingeschätzt werden, denn wahre Gefühle brauchen etwas Zeit, um zu erwachsen. Insofern ist es fast schon realistisch, dass erst die Hormone und dann die Herzchen fliegen. Eine Anmerkung zu den Sexszenen muss sein: Liest man Teile davon der Männerwelt vor, fallen diesen die Augen aus dem Kopf und sie fassen nicht, wie sie und ihre Denkweise über „ihn“ hier präsentiert werden. Unterhaltung pur und sehr zu empfehlen.

Schöne Szenerie, doch etwas klischeebelastet

Im Gegensatz dazu sind nicht nur die Personenbeschreibungen und -kreationen realistisch, sondern auch die Ortsbeschreibungen finden den richtigen Ton. Denn mit Plymouth hat sich die Autorin eine eher selten verwendete Kulisse herausgesucht, die landschaftstechnisch zu beeindrucken weiß. Geografische Abwechslung sozusagen vom ewigen Big-City-Life. Auf den rund 500 Seiten geht es also nicht nur um die gegenseitige Schmachterei, sondern angemessen oft um die Lebensrealität der Hauptpersonen. Etwas seltsam ist, dass sich in einer 4er-Mädels-WG ausschließlich die Hübschesten und talentiertesten Damen der (Nachwuchs-)Modewelt gefunden haben. Ein stilistischer Bruch bei all dem Chic, den Shootings, den Drinks und Gefühlen sind die Sexszenen, in denen es verbal sehr direkt und wenig charmant zur Sache geht, was aus dem feelgood manchmal ein feel awkward macht, vor allem sofern man Buch 1 und 2 nicht kennt und mit einer plüschigen Romanze am Strand gerechnet hat.

Etwas Diversität hätte dem Buch richtig gut getan. So bleibt es eine vorhersehbare, aber sehr nette und nur minimalst toxische Beziehungsgeschichte, die in einer harmlosen Glitzerwelt spielt. Gut, es muss nicht in jedem Buch um die Rettung der Welt gehen, politische Diskurse braucht es auch nicht in ellenlangen Ergüssen, Charme und nette Sprüche gibt es auch. Etwas emotionale, softe Ablenkung von dem Alltag, mit dem dieses Jahr wohl jeder zu kämpfen hat. Immerhin wenig toxisch, nur bissl klischeebehaftet und zwischendrin wieder überraschend realistisch, wenn man bedenkt, dass es die Kommunikation ist, die in Beziehungen meist für Zwist und Verwirrungen sorgt.

Nennen wir das Buch einen klassischen Vertreter der feelgood-Storys und bedenkt man deren Rahmbedingungen, hat die Autorin da einen sehr gelungenen Vertreter abgeliefert.

A Single Touch. Band 3 der L.O.V.E.-Reihe (eigenständige Geschichte)
Ivy Andrews. blanvalet. 12,99 Euro.

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