Ein Schwert, sie alle hinzustrecken

Obacht, dies ist Band 1 von insgesamt 2.

Die zurückhaltende Schmiedin Ziva lebt mit ihrer Schwester Temra als Vollwaise in einer mittelalterlich gestalteten Welt und legt dort mehr große Auftritte hin, als ihr lieb sind. Denn sie ist keine gewöhnliche Schmiedin: Ziva beseelt ihre Waffen mit Magie, die daraufhin besonders mächtig sind und über ganz besondere Eigenschaften verfügen. Ihr letzter Auftrag für eine große Kriegsherrin gelingt ihr allerdings viel zu gut. Das Schwert ist so mächtig, dass niemand diese Klinge schwingen sollte und schon gar keine Kriegsherrin, die alle Königreiche unterjochen möchte … Ziva und ihre Schwester verlassen Hals über Kopf ihre Heimat, um den Häschern zu entkommen! Dabei heften sich zwei junge Männer an ihre Fersen, von denen einer die Magie studieren möchte und der andere als Söldner kaum Loyalität an den Tag legt. Trotzdem schaffen beide es, ihre ganz eigene Wirkung auf die beiden Schwestern auszuüben …

Der Leseeindruck

Der Einstieg ist direkt ein wenig gewöhnungsbedürftig, was aber idR an der Leserschaft liegen dürfte: Ziva ist ganz absichtlich nicht als die perfekte Heldin gestrickt worden und leidet ganz enorm unter Social Anxiety. Da sie von Anfang an in verschiedenen sozialen Situationen auftritt, ist das daraus resultierende Verhaltensmuster aus verstecken und anschließend das bei Beleidigung der Schwester aggressive Auftreten nicht so leicht greifbar. Wenn man das aber einmal akzeptiert hat, erkennt man, dass es geradezu entspannend ist, einmal einer nicht-perfekten Heldin mit wallender Mähne und perfekten Zähnen auf ihrem Weg zu folgen.

Zumal das Buch für Teenager verfasst wurde, was man hier ganz klar merkt (und merken sollte, alles paletti also). Teenies wissen manchmal nicht wohin mit sich, suchen ihren Platz in der Welt, suchen vor allem sich selbst – hier passt Ziva vielleicht sogar richtig gut zur Zielgruppe, der ich altersmäßig nicht mehr angehöre.

Zielgruppengerecht sind auch die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Handlungen: ganz klar gestaltet, einfachen Mustern folgend und die Entwicklung ist relativ linear. Schön ist auch, dass die Menschen im Vordergrund stehen: Die Magie ist schlichtweg Teil dieser Welt, aber nicht das Maß der Dinge. Niemand wirft mit Zaubern nur so um sich, stattdessen liegt ein großer Fokus auf den zwischen einander be- und entstehenden Beziehungen. Damit haben nichtmagische Nebenfiguren sehr gut Raum, um ebenfalls zur Geltung zu kommen. Die beiden Schwestern sind zusammen aufgewachsen, fest aufeinander geprägt und entwickeln sich doch etwas auseinander. Sie müssen lernen, immer noch einander treu zu sein und sich selbst zu erlauben, einen anderen Weg als die Schwester einzulegen. Auch das passt hervorragend zum Teenager-Dasein.

Das Fazit

Für alle unter 20 ist es ein toller Einstieg in die Fantasy als Genre mit coolen Figuren und Denkanstößen in Richtung Politik, Intrigen und ungleich verteilte Macht basierend auf Gewalt. Für alle über 20 ist es eine nette Geschichte, die sich leicht konsumieren lässt, entspannt unterhält und unkompliziert für Ablenkung vom Alltag sorgt.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Sisters of the Sword. Tricia Levenseller.
cbt Verlag. 13 Euro.

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