Ein Fake-Boyfriend doch ganz real

Luc O´Donell hat es nicht leicht, denn er ist der Sohn von zwei ehemaligen Rockstars. Während seine Mutter den Ruhm im Stillen genießt, sorgt sein Vater immer wieder für neue Eskapaden. Auch Luc selber wird von den Paparazzi heimgesucht und in den ungünstigsten Momenten abgelichtet. Als die Klatschpresse wieder mal negativ über den jungen Mann berichtet, droht er seinen Job bei einer Wohltätigkeitsorganisation zu verlieren. Ihm bleibt nur eine Wahl, um sein Image aufzupolieren: Er braucht einen respektablen Fake-Freund. Der einzige Kandidat, der die ideale Besetzung für die Rolle ist, ist Oliver Blackwood, ein Anwalt, Vegetarier und so skandalfrei, wie es nur geht. Auch Oliver benötigt für einen bestimmten Zweck jemanden an seiner Seite. So beschließen die beiden, der Welt das perfekte Paar vorzuspielen, und obwohl sie nicht unterschiedlicher sein könnten, merken sie bald, dass nicht alles bloß vorgetäuscht ist …

Herzerwärmende Protagonisten

Die Story selber wird aus der Sicht von Luc geschrieben. Dabei erlebt man sein Gefühlschaos rund um sein Leben als Sohn von Rocklegenden, als Mitarbeiter in einer schrägen Wohltätigkeitsorganisation und als (Fake-)Freund der seine Gefühl nicht zuordnen kann. An vielen Stellen wäre es auch schön gewesen in Olivers Kopf blicken zu können – vor allem, wenn die beiden nicht einer Meinung sind.
Während Luc ein sehr impulsiver Mensch ist, der sich a) schwer tut über seine Gefühle zu sprechen und b) sie zu zeigen, ist Oliver ein Herzensmensch. Er möchte, dass es seinen Liebsten gut geht, steckt viel zurück und zeigt in sehr kleinen Gesten, wie sehr er jemanden gern hat. Das Zusammenspiel zwischen den beiden Charakteren ist wirklich schön und harmonisch. Beide geben einander, was gefehlt hat, um vollkommen und glücklich zu sein. Eine Verbindung zwischen den beiden – die der Geschichte auch sehr gut getan hat – waren die beiden toxischen Familien, aus denen die jungen Männer kommen. Der jeweils andere hat hier nachgeholfen, damit die Augen geöffnet werden und ein Sorge weniger auf dem Herzen herumgetragen werden muss. Luc und Oliver waren Fake-Freunde, die nicht nur für den Ruf gut füreinander waren, sondern auch für das Privatleben und die Gefühlswelt.

Humor über Humor

Die Freunde der beiden Männer sind so charakterstark beschrieben worden, dass man gerne bei mehr Treffen dabei gewesen wäre. Von jeder Seite ist der Freundeskreis ein bunt zusammengewürfelter Haufen aus diversen Persönlichkeiten, die neben wichtigen Faktoren wie Ehrlichkeit, Loyalität und Zusammenhalt auch einiges an schrägen Momenten und Zitaten mit sich bringen. Es ist wirklich toll, dass die Freunde – die bei beiden eine wichtige Rolle spielen – nicht nur nebenbei angeschnitten werden, sondern zu richtigen Charakteren ausgearbeitet wurden, die auch so im eigenen Freundeskreis sein könnten.

Zudem arbeitet Luc für eine Wohltätigkeitsorganisation. Aber nicht für eine normale, die sich für die Rettung der Wale einsetzt, oder gegen die Hungersnöte kämpft – nein! Die Wohltätigkeitsorganisation, in der er tätig ist, setzt sich für den Erhalt von Mistkäfern ein. Das bringt einige Lacher mit sich!

Und seine Flachwitze, die er jeden Morgen seinem etwas langsam denkenden Kollegen erzählt, sind oft mehr als ein Schmunzler wert. Vor allem die Reaktionen, die ihm zurück gespielt werden, sind ab und an urkomisch.

Abruptes Ende

So ausgedehnt wie die Geschichte rund um Luc und Oliver begonnen und sich über den mittleren Teil gezogen hat, so plötzlich war es dann auch vorbei. Mir hat es gefallen, dass man einen großen Einblick in die beiden Welten der Protagonisten bekommen hat, aber leider war es am Ende schnell vorbei und wurde nicht in einem schönen Prolog beendet. Vielleicht können wir uns aber so auf einem möglichen zweiten Teil freuen? Schön wäre es auf jeden Fall!

 

Lisa Albrecht (academicworld.net)

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