Die Zeit läuft davon

Eine Nacht bringt drei Polizeieinsätze mit sich. Die Geschehnisse könnten nicht unterschiedlicher sein: Ein alter Mann auf einem Fahrrad, der ein abgetrenntes Bein herumkutschiert; ein Messerangriff in einer ruhigen Wohnsiedlung; ein brutaler Mord an einer jungen Joggerin. Jens Kerner, Ermittler des 33sten Reviers in Hamburg, war an allen drei Tatorten vor Ort und erkennt schnell, dass alle Ereignisse miteinander verbunden sein müssen. Aber wie?

Nachdem nicht nur die junge Joggerin Eva Probst getötet wurde, sondern auch weitere Läuferinnen, wird intensiv nach einem Muster gesucht. Sie haben alle gemeinsam, dass sie starke, emanzipierte Frauen sind, welche sich nichts von Männern sagen lassen – und sie vertrauen dem Internet so sehr, dass sie ihre Laufgewohnheiten und Strecken stolz in die Instagramgruppe “Runfree” posten. Auffällig ist nur, dass ein anonymer User getrackte Routen mit den Initialen der Opfer ebenfalls in diese Gruppe postet …

Spannung bis zur letzten Seite

Ein Perspektivenwechsel zwischen den einzelnen Charakteren (auch dem Täter selber!) hatte den Effekt, dass man sich in diesen verzwickten Fall leicht hineinversetzen konnte. Die Handlung wird von Seite zu Seite angetrieben und verspricht Cliffhanger und Spannung pur! Erst auf den letzten Seiten werden die unsichtbaren Wände, die die drei Geschehnisse einfach nicht zusammenführen ließen, heruntergerissen und offenbaren die ganze Geschichte.

Vertraue nicht dem Internet

Der Thriller zeigt ein ganz bestimmtes aktuelles Thema auf. Viele Menschen geben im Internet zu viel preis und werden deshalb zu einer leichten Zielscheibe. In diesem brutalen Fall findet der Mörder seine weiblichen Opfer über die vom Fitness-Tracker online geteilten Laufstrecken. Die jungen Joggerinnen denken sich nichts dabei, ihren Alltag öffentlich zu posten und fühlen sich im Schutz der Großstadt unverwundbar.
Aber es gibt noch eine Komponente, welche im Internet auftaucht: Der Täter. Unentdeckt und anonym können sich Personen im Internet bewegen, sich ihre Opfer aussuchen – und die entlegenen Stellen ihrer Laufstrecken ermitteln – sowie versteckte Details, wie den nächsten Tatort oder das nächste Opfer, online preisgeben.

Fazit

“Die Karte” ist der vierte Band der Kerner & Oswald Reihe. Dennoch kann der Thriller gut alleine gelesen werden und verspricht einige Überraschungen. Vor allem der aktuelle Themenbezug und die kleinen Seitenhiebe gegen die Corona-Pandmie lassen einem bei dem Fall regelrecht mitfiebern – schließlich kann so etwas Perfides jederzeit Wirklichkeit werden.

In meine Augen ist es ein rund um gelungener Thriller, der alle wichtigen Elemente einbezieht, um ja nicht die Spannung zu verlieren. Wer jedoch miträtseln will, wer der Täter ist, wird immer wieder in die Irre geführt und wird am Ende ganz schön schockiert sein 😉

Lisa Albrecht (academicworld.net)

Andreas Winkelmann. Die Karte. 
rowohlt. 12,00 Euro.

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