Wer hat Angst…

Tom und sein Sohn Jake wollen neu beginnen. Das alte Haus erinnert sie zu sehr an Rebecca – Toms verstorbene Ehefrau und Jakes Mutter. So ziehen sie gemeinsam in ein Haus in einer kleinen Stadt, wo sie neu anfangen möchten. Beide brauchen auch für sich einen neuen Start, den Vater und Sohn verstehen sich nicht immer bestens. Da kommt der kleine Ort Featherbank wie gerufen. Doch schon das neue Haus wirkt irgendwie gruselig – im Ort ist es als Gruselhaus bekannt – und als ein fremder Mann auf dem Grundstück rumschleicht, fühlt sich Tom immer unwohler. Außerdem hört Jake nachts ein Flüstern an seinem Fenster….
Dies weckt Erinnerungen in dem kleinen Ort. Denn 20 Jahre zuvor trieb der “Kinderflüsterer” in dem Ort sein Unwesen, entführte kleine Jungen und brachte sie um. Kurz bevor Tom und Jake nach Featherbank kamen, ist wieder ein Junge verschwunden. Der Täter von damals sitzt jedoch im Gefängnis. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, doch der entführte Junge wird schon bald tot aufgefunden. Kurz darauf passieren im Haus seltsame Dinge und es geschieht das, wovor sich Tom gefürchtet hat: Jake verschwindet. Er macht sich also selbst auf die Suche nach seinem Sohn und somit auch nach dem Kinderflüsterer.

Spannung pur
Das Buch gibt schon ein großes Versprechen voraus, auf dem Einband prangt ein Aufkleber: “Der aufregendste Spannungsroman des Jahres 2019”. Damit könnten die Erwartungen schon sehr hochgesteckt sein, die es zu Erfüllen gilt.
Die Figuren sind liebevoll beschrieben: Jake wirkt mit seinen sieben Jahren schon sehr erwachsen, vor allem wenn er über das Verhältnis zu seinem Vater spricht. Diese schwierige Beziehung wird häufig thematisiert, genau wie die zwischen Tom und seinem Vater. AUch Toms Gefühlswelt wird immer deutlich hervorgehoben, wie er hin und her gerissen zwischen Trauer und Wut, Angst und Verzweiflung ist, nach dem Tod seiner Frau und mit der Situation, alleine mit Jake zu sein.
Schon die ersten hundert Seiten fesseln den Leser, dass man das Buch am liebsten auf einmal durchlesen möchte. Die vielen verschiedenen Perspektiven, aus denen die Geschichte geschildert wird, erzeugen auch eine gewisse Spannung, denn aus der Sicht des Kinderflüsterers wird mehrfach erzählt. Dabei wird jedoch nie zu viel verraten, so dass man sich erst nicht sicher sein kann, wer es war. Die Auflösung kommt erst zum Schluss, wie viele Wendungen, die dieses Buch enthält. Dies hält die Spannung aufrecht.

Da es sich mehr um einen Roman als einen Thriller handelt, ist der Kinderflüsterer ein sehr gutes Buch zur Unterhaltung, das mehr thematisiert, als nur die Vorkommnisse in der Stadt Featherbank – primär scheint es um Vater und Sohn zu gehen, wie sie zu zweit zu der Familie werden, die sein sollten.

Alex North. Der Kinderflüsterer
blanvalet. 13 Euro

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