Nordische Blutgötter gegen das Licht

Rillirin entstammt den Westlanden und wurde als Sklavin der Mirak in den Norden verschleppt. Dort fristet sie eine brutale Existenz, der sie sich nach 9 Jahren permanenten Leidens nur durch eine überraschende Flucht entziehen kann. Doch im Westen angekommen, ist deswegen noch lange nichts gut: Sie trifft auf Dom, einen Calestar, der von den Göttern der Westlanden immer wieder Visionen erhält – gleichzeitig aber auch von den Blutgöttern, denen im brutalen Norden gehuldigt werden.

Er und Rillirin sind nur zwei von vielen Werkzeugen in einer Schlacht der Götter, die ihr Territorium und damit sozusagen ihr Herrschaftsgebiet erweitern wollen. Ihre eigenen Entscheidungen werden es sein, wovon die Zukunft der sonnigen Westlande abhängt – nur wissen sie das leider nicht und schliddern nur halb sehenden Auges in die Vollkatastrophe …

Die Kritik

Vom Prinzip her könnte man die Inhaltsangabe noch deutlich komplexer machen – denn die Grenze des Westens zum Norden wird durch Wächter (quasi vom König gestellte Soldaten) und Wölfen (zivile Milizen) geschützt. Dom gehört zu den Wölfen und Rillirins Ankunft bei ihnen sorgt zunächst für viel Trubel und einige Tote. Die Blutgötter des Nordens existieren anscheinend wirklich, denn eine davon mischt sich bei Dom sehr stark ein, wohingegen die Göttin des Westens (Die Tänzerin) bisher keinen Mucks von sich gibt und ihre Gläubigen sozusagen erst einmal leiden lässt.

Ein wenig leiden die meisten Leser auf den ersten Seiten leider auch: Auf knapp 40 Seiten werden ganze 5 Charaktere vorgestellt, die aus unterschiedlichen geografischen Ecken stammen, kaum bis gar nichts miteinander zu tun haben. Das ist ein Informationsbatzen, der nicht zu unterschätzen ist, weil man als Leser die einzelnen Mitspieler erst einmal für sich vor dem inneren Auge entstehen lassen und sie auf dem Spielbrett sozusagen einsortieren muss. Kurz gesagt: Einfach ist der Einstieg in diese neue Welt nicht.

Dass die Kapitel sehr kurz sind, zieht sich durch das gesamte Buch. Perspektivenwechsel kann immer sehr interessant sein und sogar hilfreich, weil die Handlung bisweilen gleichzeitig vonstatten geht, räumlich aber sehr weit getrennt ist. Bei “Wächter und Wölfe” geht es allerdings ein bisschen zu weit. Das Gefühl der Zerrissenheit, des sich nicht auf Charaktere einschießen könnens, daher mangelnde Sympathie für Hauptpersonen sind nur einige der Konsequenzen daraus.

Teilweise verhalten sich die Charaktere aus eher unlogisch [sollte sich hier ein Verständnisfehler meinerseits eingeschlichen haben, tut mir das sehr leid, doch so habe ich Rillirin und Dom verstanden]: Die Wölfe wissen durch Dom, dass Rillirin eine wichtige Botschaft für sie hat. Als sie aber schweigt, könnte DOm ihr die Information mittels seiner Gabe entreißen. Er weigert sich aber, dadurch sterben viele Wölfe und ihre Familien – das schlechte Gewissen ist aber nur eingeschränkt vorhanden. Dafür aber seine Wut auf Rillirin, die er darauf von sich stößt und im Prinzip komplett verjagt. Im nächsten Kapitel aber sind die beiden unterwegs auf einer Reise und das Zerwürfnis wird in der Form nicht mehr thematisiert. Außer: Immer wieder wird ihr vorgeworfen, dass wegen ihr die Wölfe gestorben sind. Plötzlich kommt die Aussage “Mach dir keinen Kopf, wir woussten, dass die Mirak kommen und haben uns dazu entschieden, zu kämpfen.” Im Anschluss ertönt der gleiche Vorwurf, wie zuvor. Noch dazu Rillirin: Dass die Wölfe ihr nicht nullkommanichts vertrauen können, muss ihr doch klar sein. Stattdessen kauert sie sich zusammen, beobachtet ihre Retter und rückt mit der wichtigen Information nicht heraus.

Absolut positiv finde ich dagegegen die Entwicklung rund um Rivil, den zweiten Prinz und damit irgendwann Thronanwärter des Westens. Er wird detailliert porträtiert und entpuppt sich als ein ganz anderer Schmetterling, als er letztendlich seinen Kokon verlässt und erwachsen wird. Damit hätte ich in der Form nicht gerechnet – beim Lesen hat es mich regelrecht erzürnt – was widerrum beweist, wie gut der Autorin dieser Part gelungen ist.

Fazit trotz allem: Super geniale Plot-Idee (Götter kämpfen durch Menschen um ihr Territorium!), die aber deutliche Schwächen aufweist und daher leider keine Leseempfehlung erhält.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Anna Stephens. Wächter und Wölfe.
blanvalet. 16,00 Euro.

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