Ein aufwändiges Epos startet

30 Jahre nach dem großen Krieg in Osten Ard: Es braut sich ein Sturm von enormer Tragweite zusammen und Prinz Morgan ist enkbar ungeeignetere Kronprinz, denn er benimmt sich höchst … kindisch. Gedankenlos. Verantwortungslos. König Simon und Königin Miriamel sind in höchster Sorge um ihn, geichzeitig droht ein Teil ihres Reiches auseinanderzubrechen, während die Nornenkönigin bereits ein grausames Netz spinnt, um Rache zu nehmen und Osten Ard zu zerstören. Sein Großvater [König Simon], ruft aus Angst um Morgans Leben seine alten Freunde zusammen. Gemeinsam wollten Binabiq, Aditu, Jiriki und Jeremias das Land und Morgan vor den dunklen Feinden beschützen.

Die Kritik

Wer noch nichts aus der Reihe rund um das Königreich Osten Ard und all die menschlichen und fabelhaften Bewohner gelsen hat, wird sich beim Einstieg in diese neue Reihe sehr schwer tun. Allein auf den ersten 15 ff Seiten ist jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Person geschrieben und es werden sehr viele “historische” Bezüge hergestellt, mit denen man als Einsteiger zunächst wenig bis nichts anfangen kann.

Was dagegen von Beginn an super klappt, ist das Gefühl, dass etwas Mächtiges, Schwarzes wie eine Wolke drohend über allen Beteiligten schwebt. Stück für Stück enthüllt sich die gesamte Bedrohung: [Kein Spoiler, das kommt sehr früh!] Wenn beispielsweise Leichenfledderer-Riesen ihr Jagdgebiet erweitern, weil sie selbst von “den Nornen” / der Nornenkönigin gejagt werden, kann das nichts Gutes heißen … Das Tempo ist insgesamt doch recht ruhig und getragen, die Action findet immer nur phasenweise statt. Stattdessen nimmt sich der Autor so richtig viel Zeit und erzählt viel um die eigentliche Handlung herum. Das fehlende Tempo wird dadurch wieder gut gemacht, denn wer die Geduld mitbringt, kann damit erst so richtig tief in die Geschichte eintauchen. Ob es sich aber um ein Epos handelt oder nicht – die Länge allein ist kein Indiz – kann man also diskutieren, wenn man denn möchte.

Wieder verlaufen mehrere große Handlungsstränge nebeneinander her, die dem Leser einiges an Konzentration abverlangen. Damit ist Die Hexenholzkrone kein Buch, das man nebenher lesen kann. Vom Erfindungsreichtum her hat Tad Williams sich hauptsächlich auf Fakten aus den vorherigen Büchern berufen, was ein wenig schade ist, denn in einer fantastischen Welt sind Weiterentwicklungen quasi kaum Grenzen gesetzt. Gut dagegen ist der Cliffhänger am insgesamt doch spannenden Ende, wenngleich man ihn deswegen fast etwas verfluchen möchte … Übrigens: Hat der Autor oder die Übersetzung vielleicht schon einen großen Teil gespoilert? Schließlich ist der Untertitel der Reihe “Der letzte König von Osten Ard” – könnte Simon sein, könnte Morgan sein … Ein bisschen Spannung kann man also durchaus zwischen den Zeilen finden.

Das Fazit: Keine High-Fantasy, die mit schnellen Wendungen begeistert, sondern eher langsam daher kommt, mit vielen Details erzählt wird. Wer richtig nach Action giert, wird hier wenig Gutes finden. Wer dagegen Geduld hat und die vorherigen Osten Ard-Bücher kennt, bekommt eine

Bettina Riedel (academicworld.net)

Tad Williams. Die Hexenholzkrone.
20,00 Euro. HobbitPresse. Klett Cotta.

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