London im viktorianischen Zeitalter. Mercy Amberdale beschafft für reiche Sammler seltene Bücher und nutzt dafür ihre Magie, die einem Seelenbuch entspringt – sie ist eine Bibliomantin. Ihre Aufträge sind so gefährlich, dass bei einem sogar einer ihrer besten Freunde, Grover, stirbt. Trotz ihrer starken magischen Begabung kann sie ihn nicht retten, fortan schwört sie der Bibliomantik ab und verlässt sich allein auf ihren normalen Spür- und Scharfsinn. Als einer ihrer ehemaligen Bekannten in seinem Buchladen verbrennt und keines der umliegenden Bücher angesengt wird, wird Mercy auf den Plan gerufen. Sie entdeckt, dass es um einen besonders brisanten und verzwickten Fall geht: Die Welt der Bibliomantik wird von ganz bestimmten Verlegerfamilien gesteuert – ein System, aus dem zwei Familien einst ausbrachen. Ihre Nachkommen werden bis heute unerbittlich gejagt. Das Buch, hinter dem Mercy und offenbar die gesamte Welt der Bibliomantik her ist, soll zu den letzten Überlebenden der abtrünnigen Familien führen …
Die Kritik

Nicht zuletzt wird der Leser wegen der beiden Ebenen, auf denen sich die Geschichte abspielt, in die Geschichte eingesogen: Zunächst die oberflächliche rund um das verschwundene Buch, die Jagd danach und den rätselhaften Mord. Stück für Stück kommt Mercys persönliche Geschichte zu Tage, die sich immer stärker um ihre eigene Herkunft und die Verbindung zu einer verschleierten Kämpferin dreht – und im Endeffekt zum Mord am Bücherhändler.
Das Buch ist theoretisch eine Art Fortsetzung einer Trilogie – nämlich von „Die Seiten der Welt“. Wie in meinem Fall kann man es aber auch dann lesen, wenn man diese drei Bücher nicht kennt. Wie bei jedem Fantasybuch gibt es eine Reihe von Faktoren, die der Leser zunächst akzeptieren muss. Dazu gehört die Buchmagie, dass bestimmte begabte Charaktere ein sogenanntes Seelenbuch mit sich führen und ein Seitenherz spalten, um sich die Magie zu Nutzen zu machen. Dazu die Welt der Bibliomantik mit den großen Verlegerfamilien und den beiden abtrünnigen und die Weise, wie Bibliomanten miteinander umgehen und welche gesellschaftlichen Strukturen sie auszeichnen. Etwas komplexer, aber nicht unverständlich oder schwer zu verstehen. Wer allerdings keine tiefergehende Liebe für Bücher und Magie hat, wird sich als Leser vermutlich eher deplatziert fühlen und sich dem Buch selbst verweigern. Man muss sich schon drauf einlassen können, dass es bei BIbliomantie um spleenige, Magie-begabte Bibliophile geht – aus meiner Sicht zuckersüß und interessant gemacht.
Bettina Riedel (academicworld.net)
Kai Meyer. Die Spur der Bücher.
Fischer Verlage. 19,99 Euro.