Die Geschwister von Romeo und Julia

Vor mehr als zwei Jahren sind Helenas Schwester Valerie und deren Verlobter Adam ums Leben gekommen. Die beiden wurden nach ihrer Verlobungsfeier tot in der Hotelsuite gefunden. Für die Mutter von Adam ist ganz klar Valerie an dem Unglück schuld.
Nach einer – von den Eltern gut gemeinten – Verbannung nach Großbritannien kehrt Helena Weston zurück nach New York, um den Ruf ihrer verstorbenen großen Schwester wieder geradezurücken und herauszufinden, was in besagter Nacht wirklich passiert ist. Doch sie hat nicht damit gerechnet, dass auf ihrer Suche nach der Wahrheit ausgerechnet Jessiah Coldwell – Adams jüngerer Bruder – ihr in die Quere kommt. Durch den Hass zwischen den beiden Familien Weston und Coldwell, welcher durch den Tod der beiden Kinder weiter angeheizt wurde, weiß Helena, dass sie Jessiah eigentlich verachten müsste. Und doch entwickeln sich ihre Gefühle gegenteilig…

Sympathische Protagonisten

Der Roman wird aus beiden Sichten der Protagonisten Helena und Jessiah erzählt. Dabei kommen einige Kontraste gut raus: Sie liebt New York, ist froh endlich wieder in ihrer Heimat zu sein und gibt alles, damit ihre Familie sie nicht wieder abschiebt. Doch sie ist rebellischer geworden und sucht nach Schlupflöchern, um etwas Freiraum von ihrer Familie sowie der engstirnigen Upper Class von New York zu bekommen. Jessiah hingegen hasst die Stadt und sucht nach einem Ausweg, um der Metropole und den Klauen seiner Mutter zu entkommen, doch sein kleiner Bruder Eli liegt ihm so am Herzen, dass er ihn nicht alleine lassen kann. Anpassung statt Rebellion war seine Methode, um mit seinem neuen verhassten Leben klarzukommen. Diese Gegensätze spiegeln sich bei den beiden in der gesamten Art zu denken und wie sie die Dinge betrachten wider. Aber auch eine große Gemeinsamkeit wird spürbar, denn beide tragen einen großen Schmerz in sich herum, den sie mit niemanden teilen können – vor allem nicht mit ihren macht- und ansehensgierigen Familien. Diesen Schmerz der beiden Protagonisten hat die Autorin auf eine sehr authentische Art und Weise rübergebracht.

Bedenkt man rückwirkend die Kennenlernzeit der beiden, ist eigentlich sehr wenig Zeit vergangen, bis der Funke übergesprungen ist. Dennoch hatte man nie das Gefühl, dass sie aus dem Kurzschluss gehandelt haben oder etwas überstürzen. Ganz im Gegenteil: Man hat ihnen die Gefühle abgekauft und bei dem herzzerreißenden Hin und Her ihrer Liebesgeschichte mitgefiebert. Zudem haben sie auch einiges, was die beiden miteinander – außer dem tiefsitzenden Schmerz – verbindet, das man als Leser:in von Anfang an spüren kann.

Non plus ultra: Das gesellschaftliche Ansehen

Neben den beiden Protagonisten kann man das Setting „New York“ und den Handlungsrahmen „die Upper Class“ positiv hervorheben. Diese Überheblichkeit gegenüber dem einfachen Volk und die Verantwortung, die auf den Schultern der Erben liegt, wird wirklich gut vermittelt. Es erinnert ein wenig an die Teenie-Kultserie Gossip Girl mit all den Intrigen, dem Drama und dem Zwang sein Ansehen zu wahren. Beim Lesen kann man sich einfach nur über die beiden Familien, wie sie miteinander umgehen, welche Prioritäten sie setzen und wie sie versuchen ihr Imperium vor einem schlechten Ruf zu wahren, aufregen. Das führt dazu, dass man sich den beiden Protagonisten gleich viel verbundener fühlt. 

Schon vor der Verbindung der beiden älteren Geschwistern waren die beiden Familien im Streit und haben alles gegeben, um das Ansehen des jeweils anderen zu mindern. Dabei schrecken sie vor nicht zurück, um die andere Familie aus der Upper Class zu werfen. Nun, da durch den tragischen Vorfall die Verbindung wieder gekappt ist, haben sich die Fronten stärker denn je verhärtet. Die Eltern versuchen alles, damit die Kinder sich nicht treffen und näher kommen, damit sich die Tragödie nicht wiederholt. Vor allem würde eine erneute Lieber der Sprösslinge – laut den Eltern – dem Familienruf schaden. Das hatte für mich einen leichten Hauch von Romeo und Julia – aber was nach ihrem Tod mit den jüngeren Geschwistern passiert. Eine Liebe die damals nicht sein durfte und eine Liebe, die jetzt erst recht verboten ist.

Fazit 

Doch trotz viel positiver Kritik: Es ist wirklich schade, dass zum Schluss das eigentliche Ziel von Helena in den Hintergrund gerückt ist. Schließlich wollte sie aufklären, was in der Todesnacht ihrer Schwester wirklich passiert ist. Dieser Punkt wurde leider nicht komplett aufgelöst. Ich hoffe, dass er wieder ein Bestandteil im nachfolgenden Band wird und endlich alle Details umfangreich aufgedeckt werden.

Neben viel Liebe und einem emotionalen, tragischen Hin und Her, welches einen Herzschmerz beim Lesenden selber auslöst, kann man sich auf Intrigen, Geheimnisse und eine gute Portion Spannung einstellen. Ein gelungener Auftakt für eine neue, spannende New-Adult-Trilogie.

 

Lisa Albrecht (academicworld.net)

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