Auf der Jagd

Es ist ein typischer Winter im Indianerreservat Wind River und die Bewohner schauen in der Regel, dass sie sich so selten wie möglich besonders lange draußen aufhalten. Da stößt in der kleinen Gemeinschaft nicht nur sauer auf, dass plötzlich die Leiche eines jungen Mädchens in der Wildnis gefunden wird, sondern erst recht, dass sie barfuß sechs Meilen durch den Schnee geirrt ist – also vielleicht gejagt wurde.

Cory, ein ruhiger Typ, den so leicht nichts mehr aus der Fassung bringt. Er hat gelernt, dass auf der Lauer liegen durchaus seine eigene Effizienz hat.

Das Opfer entstammt der indianischen Bevölkerung, daher muss das FBI als übergeordnete Behörde eingreifen – und schickt kurzerhand eine der wohl unerfahrendsten, aber smarten Agentinnen ins Feld: Jane Banner findet sich plötzlich in einer Hölle aus Eis, Lügen, Brutalität und (teils politischer) Hoffnungslosigkeit wieder.

Dort trifft sie auf den US Wildlife Agent Cory Lambert, dessen Tochter vor vielen Jahren auf ähnliche Art gestorben ist und sein Leben damit aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Zusammen sind sie zwei Seelen, die aus ihren ganz eigenen Gründen nach dem Mörder der jungen Frau suchen, die so verzweifelt um ihr Leben gekämpft hat …

FBI-Agentin Jane Banner – unerfahren, aber besonnen, nicht egoistisch und empathisch.

Die Kritik

Es ist ein überraschend ruhiger Ton, den WIND RIVER da anschlägt, obwohl das unterschwellige Element der Jagd quasi omnipräsent ist. Auch klischeehaft anmutende Umstände wie die Unerfahrenheit der FBI Agentin Jane werden nicht übermäßig betont, sodass sich das Klischee in der Geschichte verliert und sich stattdessen sehr gut in die gesamte Erzählung einpasst.

Spannung ist dennoch massig vorhanden: Die Schritte, mit denen man mehr und mehr zur Tat der Gegenwart, zum Mord an Corys Tochter damals und dem Schicksal der uramerikanischen Einwohner erfährt, sind sehr gut gesetzt und liefern jedes Mal einen kleinen Aha-Effekt ab. So ergibt sich nicht nur inhaltlich eine Jagd auf den Mörder, sondern auch ganz unterbewusst im Gefühl des Zuschauers. Eine Schlinge, die sich zunehmend enger zuzieht, aber nicht zwangsläufig um den Täter …

Den größten Aha-Effekt erhält der Zuschauer übrigens nicht am Ende der Geschichte, sondern ganz am Ende des Films im Abspann. Das liegt zum einen daran, dass sich nach dem großen Eklat und der Enttarnung der Täter ein wenig vorhersehbare Handlung einschleicht (die nichtsdestoweniger ein sehr zufriedenes Gefühl hinterlässt) – und zum anderen, dass der Abspann mit einer Information aufwartet, die den normalen Zuschauer durchaus überraschen und sehr nachdenklich stimmen dürfte.

Einziges Manko: Man hätte durchaus mehr indianische Kultur und Historie unterbringen können, anstatt das ganze Volk als ein massives Opfer darzustellen, das ausgerechnet von zwei offiziellen und kaukasischen Amerikanern “gerettet” werden. Abgesehen davon aber bietet der Film eine ausgewogene Unterhaltung aus Spannung, Ermittlung und verzichtet auf sensationsheischende Brutalität.

Bettina Riedel (academicworld.net)

WIND RIVER

Darsteller: Elizabeth Olsen, Jeremy Renner, Kelsey Asbille, Jon Bernthal, Julia Jones

Seit dem 8. Juni im Vertrieb von wildbunch als DVD; BluRay und digital erhältlich.

 

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