Wie eine Blume in der Wüste

Achtung, hier geht es um Band 2!
Band 1 heißt “Zorn und Morgenröte”.

Es ist ein sehr seltsames Pärchen, doch gerade Shahrzad und Chalid sind ehrlich ineinander verliebt – und mittlerweile verheiratet. Doch die junge Kalifin hat ihren Chalid allein gelassen, denn sie möchte seinen Fluch brechen. Der wird sonst unzählige weitere unschuldige Opfer fordern. Doch in dem Lager bei ihrer Schwester ist sie nicht willkommen, weil sie sich mit dem Feind verbrüdert hat. Noch dazu trifft sie dort permanent auf Tarik, dessen verletztes Herz für alle sichtbar immer noch für sie schlägt. Nicht zuletzt planen die Krieger in diesem Lager einen Angriff auf Chalid, um ihn endgültig dem Reich der Toten zu übergeben. Um das Chaos perfekt zu machen, hat ihr Baba die Macht des magischen Buchs unterschätzt, doch seine Kraft nun an Shahrzad  weitergeben. Eine Macht, die ihr helfen könnte, den Fluch zu beenden und andererseits erst einmal gemeistert werden muss …

Die Kritik

Renée Ahdieh, Rache und Rosenblüte

Renée Ahdieh hat einen relativ eigenwilligen Schreibstil, der anfangs sehr zerklüftet wirkt und durch viele Absätze sowie Perspektivenwechsel geprägt ist. Innerhalb eines Kapitels wechselt die Sicht, aus der die folgenden Zeilen geschrieben werden, sehr häufig. Daran muss man sich als Leser erst einmal gewöhnen und es mag den einen oder anderen geben, dem das nicht gefallen wird. Daher: Unbedingt vorher reinlesen, damit du ein Gefühl dafür entwickeln kannst.

Die Handlung ist spannend konzipiert – sie ist ständig in Bewegung und verschiebt sich manchmal um Nuancen, manchmal um ein halbes Universum. Sehr gut gelungen ist dabei zum Beispiel die Stimmung im lager rund um Shahrzad und Tarik, die sich allmählich aufheizt und durchaus auch politische Züge bekommt. Das gibt der Liebesgeschichte, die das Buch nun mal dominiert, etwas mehr Tiefe und verlangt etwas mehr Mitdenken seitens des Lesers. Nicht zuletzt rückt die Liebesgeschichte etwas in den Hintergrund, dessen muss man sich bewusst sein. Ein anderes Beispiel ist die Magie, über die Shahrzad nun verfügt. Sie ist also keine kleine Kalifin und ein verliebtes Mädchen, sondern stellt sich nun waschechten Herausforderungen, die ihr viel abverlangen, mehr Eigenständigkeit und Charakter geben werden. Am Anfang braucht es etwas, bis die Autorin all diese Elemente in Stellung gebracht hat, danach nimmt die Handlung immer mehr an Fahrt auf und sorgt am Ende für ein wirklich spannendes Finale und eine interessante Auflösung des Fluchs (wenngleich die fast etwas untergeht, aber irgendwas muss ja zurückstecken).

Was nichts mit dem Inhalt zu tun hat, aber doch auffällig oft passiert ist, wenn man andere Leser fragt: Wie oft übersehen wird, dass es sich um einen zweiten Band handelt. Der Text auf der Buchklappe beginnt mit dem, was man aus 1001 Nacht kennt: Shahrzad ist beim Kalifen gelandet und erzählt Geschichten, um ihr Leben zu retten. Daraus leitet sich leider nicht ab, dass es einen Vorgängerband gibt. Nicht weltbewegend, aber etwas ungeschickt. Denn als Nicht-Kenner des ersten Bandes kommt man sehr schwer in den zweiten hinein, was zwar normal ist, aber eine unangenehme Leseerfahrung. Qual der Wahl: durchhalten oder abbrechen und Band 1 holen? Die academicworld.net-Empfehlung: Band 1 holen, denn dann ergibt so vieles so viel mehr Sinn und das Lesevergnügen wird merklich gesteigert.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Renée Ahdieh. Rache und Rosenblüte.
one Verlag. 17,00 Euro.

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