Jagd auf die Inquisition

Achtung, Spoileralarm – hier geht es um Band 2.

Elizabeth hat ihren ehemaligen Schwarm getötet, Blackwell leider nur verwundet und ihr heilendes Stigma an John verloren, der mit der schwarzen Magie darin konfrontiert wird. Er beginnt, sich charakterlich zu verändern – und endlich erfahren sie beide, wie Stigmata hergestellt werden und was dafür von Nöten ist. Nicht, dass das ihr Vorhaben erleichtern würde, denn nach der Anhörung vor dem Rat der Magier in Harrow ist Elizabeth dazu gezwungen, ein Versprechen abzugeben. Von ihr wird nichts Geringeres verlangt, als Blackwell zu töten. Der Anführer der Inquisitoren ist nun König von Anglia und verfügt über eine Streitmacht von mehreren tausend Mann. Wie sollen die paar versprengten Magier, die sich in Harrow vor diesem Mann verstecken, dagegen antreten? Doch wenn sie es nicht tun, wird er sie genauso überfallen und einen nach dem anderen für seine Zwecke missbrauchen und schließend töten …

Die Kritik

Wer in Band 1 bemängelt hat, dass eine sechzehnjährige Hexenjägerin wohl kaum die einzige, beziehungsweise beste ihrer Gattung sein kann, hatte zu dem Zeitpunkt mit Sicherheit Recht. In Band 2 erfährt man jedoch, dass es hierfür einen ganz spezifischen Grund gibt, sodass hier ein Manko ausgemerzt wurde. Schade nur, dass es erst im zweiten Buch geschieht, denn bisher sah es aus wie ein Fehler im Plot. Angesichts des Alters von den wichtigsten Protagonisten möchte man aber schon einmal die Frage in den Raum stellen: Warum müssen immer Teenager die Welt retten? Gibt es denn keinen Erwachsenen, der mit etwas mehr Erfahrung das Ganze wuppen kann? Die besetzen ja grundsätzlich eher das Feindbild, auch in anderen verbreiteten all age-Fantasyreihen wie von Veronica Roth beispielsweise. Den klassischen Generationenkonflikt kann man doch auch etwas weniger plakativ ausgestalten. Oder wo sind sie, die Mittzwanziger, mit denen sich die eher jüngeren Leser auch noch identifizieren können? Die könnten sich genauso einmischen und es wäre immer noch eine klug konstruierte Geschichte mit magischen Elementen und damit Zuflucht für alle Leser. [Wer entsprechende Helden und Heroinen kennt, darf sich gerne bei bettina.riedel@academicworld.net melden.]

Der Schluss der Geschichte ist relativ vorhersehbar und leider Teil der “es wird alles gut”-Enden. Eine wenig sympathische Figur aus der Reihe der Guten stirbt (kein Spoiler, kann man sich ja denken und das “wer” wird auch nicht verraten), der Rest bekommt genau das, was man sich beim ersten Lesen schon gedacht hat.

Es ist aber nicht alles schlecht! Technisch ist das Buch sehr gut geschrieben, es liest sich flott, es gab keine umständlichen Formulierungen, es ist illustrierend verfasst, ohne zu bildgewaltig zu sein. Die grundsätzliche Handlung ist eine interessante Geschichte. In die Charaktere kann man sich gut hineinfühlen und selbst die Präsens-Form der Erzählung störte überhaupt nicht.

Elizabeth ist eine intelligente junge Frau, die kampferprobt ist und sich so schnell nichts gefallen lässt. Das ist wirklich ganz hervorragend konzipiert, denn zu oft haben weibliche Charaktere oder deren Autoren einen Hang zum „oh nein, sie darf niemanden töten, sonst ist sie nicht mehr die unbescholtene Heroine“.

Fazit: Für alle ab zirka 23 Jahren ist das Buch zu einfach gestrickt. Die jüngere Zielgruppe wird sich nach Band 1, der wirklich ganz vorzüglich war, auch kaum von Band 2 abhalten lassen und sich besser davon unterhalten fühlen als die höheren Semester.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Virginia Boecker. Witch Hunter.
dtv Verlag.17,95 Euro.

Share.