Sicherheit auf hoher See

Fotograf: EnBW / Matthias Ibeler, Emsdetten/Baltic1

In der Erneuerbare Energien-Branche gibt es viel zu tun – auch für weibliche Ingenieure. Anne Fischer ist eine von ihnen. Der Bau der riesigen Windkraftanlagen bietet spannende Herausforderungen, aber auch Risiken.

Was kann beim Bau von Windkraftanlagen auf hoher See eigentlich so alles passieren? Wie sollten sich alle Beteiligten verhalten, damit das größtmögliche Maß an Sicherheit gewährleistet ist? Mit diesen und anderen Fragen setzt sich Anne Fischer bei der EnBW Erneuerbare Energien GmbH (EEE) auseinander.

Die Ingenieurin ist als HSE-Managerin in den Bereichen Gesundheit und Arbeitssicherheit in ihrem Unternehmen tätig, HSE steht für „Health, Safety and Environment“. Denn Sicherheit steht an erster Stelle beim verantwortungsvollen Umgang mit Energie – in allen Bereichen. Das gilt gleichwohl für den Betrieb von Großkraftwerken wie auch bei der Errichtung neuer Anlagen. So erfordern auch viele Projekte der EEE, zum Beispiel der Bau von Windkraftanlagen, besondere Sicherheitsaspekte. Wer etwa in großer Höhe an Windrädern arbeitet, benötigt ganz besondere Qualifikationen und spezielle Schutzausrüstung. Noch herausfordernder wird es bei Offshore-Anlagen: Wer einmal überlegt, wie ein Fluchtweg bei einer Anlage auf offener See aussehen könnte, kann sich schnell vorstellen, mit welchen Fragen Anne Fischer bei Ihrer Arbeit konfrontiert wird.

Das erste Projekt führte Fischer nach Marokko

Nach ihrem Studium als Diplom-Ingenieurin im Fachbereich Energie- und Umwelttechnik am Institut National des Sciences Appliquées in Lyon und einer ersten beruflichen Station bei einem französischen Unternehmen, wechselte die Ingenieurin vor vier Jahren zur EnBW. Bei der EnBW Kraftwerke AG war sie anfangs in der Abteilung Regenerative Energien für die Planung, den Bau und den Betrieb von Windkraftanlagen an Land zuständig. Ihr Einstieg bei der EnBW hätte kaum interessanter sein können: „Mein erstes Projekt führte mich gleich nach Marokko, das war ein unfassbar spannender Start in die Energiebranche. Wir berieten vor Ort einen lokalen Energieversorger, der Onshore-Windenergieanlagen errichtete und in Betrieb nahm“, erzählt die Ingenieurin.

Im Januar 2009 gründete der Konzern die EnBW Erneuerbare Energien GmbH mit Sitz in Stuttgart und Hamburg und führte damit alle wesentlichen Ausbauaktivitäten zur Stromerzeugung aus den erneuerbaren Energien in einem eigens dafür geschaffenen Unternehmen zusammen. In der neu gegründeten Gesellschaft arbeitete Anne Fischer zunächst als Teilprojektleiterin in der Abteilung Technik Engineering Wind Offshore. Als HSE-Managerin begleitete sie hier die Planung und den Bau des Hochsee-Windparks „EnBW Baltic 1“, der im Mai 2011 als erster kommerzieller Offshore-Windpark Deutschlands eröffnet wurde. Er liegt etwa 16 Kilometer nördlich der Halbinsel Darß/Zingst in der Ostsee und umfasst 21 Windenergieanlagen.

„An diesem großen Projekt mitzuwirken war der bisherige Höhepunkt in meinem Berufsleben und zugleich eine große Herausforderung. Ich hatte mit der Arbeitssicherheit ein neues Aufgabengebiet, das mit viel Verantwortung verbunden war“, erzählt die 30-Jährige. Denn Wind und Wetter erfordern auf hoher See besondere Sicherheitsmaßnahmen. Kirchturmhohe Windenergieanlagen im sandigen Meeresgrund zu verankern, ein Umspannwerk gegen Strömung und Gezeiten zu sichern und kilometerlange Kabelstränge im Meer zu verlegen, stellt höchste Anforderungen an Menschen und Maschinen. So müssen die Mitarbeiter unter anderem ein Offshore-Training absolvieren, das sie mit den besonderen Vorsichtsmaßnahmen und Verhaltensregeln im Notfall vertraut macht. „Ich hatte sehr viel Freude daran, hier mit wertvoller Unterstützung meiner Offshore-Kollegen Pionierarbeit zu leisten – etwas, das übrigens für die gesamten Aktivitäten der EEE zutrifft. Bei unseren Projekten betreten wir in Deutschland teilweise ab-solutes Neuland. Das ist zwar fordernd, macht die Arbeit aber unheimlich interessant“, erklärt Anne Fischer.


Die Ingenieurin wünscht sich, dass technische Berufe keine Männerdomäne bleiben

Die Arbeitstage der HSE-Managerin sind abwechslungsreich: Sie erstellt ein Handbuch für das Arbeitsschutzmanagement, unterstützt Projektleiter bei Fragen der Arbeitssicherheit, unterweist Kollegen und begeht die Anlagen der EEE – alles, um Unfälle zu vermeiden und ein Höchstmaß an Sicherheit bei der täglichen Arbeit zu gewährleisten. Zudem ist sie mit der persönlichen Schutzausrüstung der Mitarbeiter und dem baulichen Brandschutz befasst.
Auf die Frage, wie sie als Frau in einem immer noch eher von Männern dominierten Arbeitsumfeld zurechtkommt, antwortet Anne Fischer: „Ich persönlich fühle mich bei der EEE gut integriert und weiß, dass meine Arbeit geschätzt wird. Ich kann andere Frauen nur ermutigen, technische Berufe zu ergreifen.“


Anne Fischer

Anne Fischer ist Ingenieurin des Fachbereichs Energie- und Umwelttechnik. Als HSE-Managerin bei EnBW Erneuerbare Energien GmbH ist sie in der Abteilung Betrieb Wind Onshore in Stuttgart tätig.


Stand Juli 2011

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