Gefährliche Fantasiefreunde

Kate Reese möchte einfach nur weg von ihrem gewalttätigen Freund Jerry und flieht zusammen mit ihrem Sohn Christopher in die scheinbar harmlose Kleinstadt Mill Grove. Was sie nicht weiß: Vor 50 Jahren verschwand ein kleiner Junge in Christophers Alter und wurde nie wieder gefunden. Auch als Christopher für sechs Tage verschwindet, zieht zunächst niemand Rückschlüsse zu den Geschehnissen von damals.
Als Christopher gefunden wird, kann er sich nicht erinnern, wo er die Tage war und was passiert ist. Einzig ein Gedanke treibt ihn an: Er muss ein Baumhaus im Missionswald bauen. Der Junge verändert sich und der früher schlechte Schüler wird zum “Genie”. Auch bei dem unverhofften Lotteriegewinn von Christophers Mutter scheint jemand seine Finger im Spiel zu haben. Vielleicht der nette Mann, der Christopher half nach sechs Tagen wieder zurückzukehren?
Als sich auch andere Bewohner des Ortes langsam seltsam benehmen, wird es Zeit, den Ereignisse vor 50 Jahren auf den Grund zu gehen.

Fazit

Man braucht sich zunächst einmal nichts vormachen: Dieses Buch hat über 900 Seiten und es passiert wirklich viel. Doch irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man sich fragt “Was kommt denn bitte jetzt noch? Wann erfährt man wie es ausgeht?”. Versteht das bitte nicht falsch – es ist ein wirklich gutes Buch, für das man gerne auch ein paar mehr Stunden investieren kann – aber das Ende hätte man auch ein bisschen kürzer und nicht so ausschweifend herbeiführen können.

Was auch ein bisschen stört und zum Ende hin immer weiter zunimmt, sind religiöse Verweise. Es kann ja jeder glauben, an was er möchte, aber – ohne hier zu spoilern – die religiösen Konzepte des Himmels und der Hölle kommen am Ende so häufig vor, dass man sich fragt, in welchem Genre man sich bewegt. Was auch gleich zum nächsten Punkt überleitet: Wer einen Thriller erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Warum ist es trotzdem des Lesens wert? Spannung ist trotzdem ständig gegeben, denn wer nicht die letzten Seiten liest bevor der Rest getan ist, wird doch häufiger von den Ereignissen überrascht. Auch Elemente von Fantasy sind gegeben und viele vergleichen Stephen Chboskys Stil mit Stephen King.
So ist es ein Buch, das von allem etwas hat (Religion könnte trotzdem eine kleinere Rolle spielen) und auch auf den letzten zähen 100 Seiten die Spannung aufrecht hält, ob es dem kleinen Jungen gelingt, die Kleinstadt zu retten.

Stephen Chbosky. Der unsichtbare Freund.
Heyne Verlag. 24 Euro.

Share.