WG-Jura: Das musst du wissen

Nach dem Abi ist vor der ersten Wohnung – und meist bedeutet
das: Wohngemeinschaft.
Was hier rechtlich zu beachten und welcher Vertrag empfehlenswert ist, erfahrt ihr in unserem Crashkurs “Jura light” – mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Anwaltshotline.

Hier gibt es Hilfe bei der Frage nach dem richtigen Mietvertrag

Das Mietrecht

Im Mietrecht ist eine WG gar nicht vorgesehen. Deswegen müssen Mieter und Vermieter sich selbst einigen – entweder (klassische WG-Variante) auf einen Hauptmieter oder (neuere WG-Variante) auf alle Mieter als Hauptmieter.

Der Mietvertrag

Unterschreibt einer den Mietvertrag, gelten die anderen Wohnungsmitbewohner als seine Untermieter. Der Hauptmieter muss dann mit dem Vermieter vertraglich vereinbaren, dass in den angemieteten Räumen eine WG entstehen darf. Wollen jedoch alle WG- Bewohner gleichberechtigte Hauptmieter sein, müssen alle den Mietvertrag unterschreiben.

Die Haftung

Ein einzelner Hauptmieter ist allein für die gesamte Mietzahlung verantwortlich und haftet auch für alle Schäden in der Wohngemeinschaft. Sollte einer der Untermieter seinen Anteil nicht bezahlen, muss der Hauptmieter in die eigene Tasche greifen. Wenn dagegen alle Bewohner Hauptmieter sind, dann sind sie zusammen für die regelmäßigen Mietzahlungen verantwortlich und haften auch als Gesamtheit. Das bedeutet: Jeder haftet für die volle Wohnungsmiete, nicht nur für seinen Anteil. Sollte ein Mitbewohner seine Miete nicht bezahlen, müssen die anderen seine Schulden begleichen. Das gleiche gilt übrigens für die berühmten Brandlöcher im Teppich.

BEISPIEL-URTEIL (Aktz. 51 C 28/99): Das Amtsgericht Paderborn verurteilte einen 21jährigen Stundenten zur Zahlung von rund 2.000 Euro rückständiger Miete und der Kosten der Wohnungsräumung für seinen ehemaligen Mitbewohner, der über Nacht verschwunden war und seine Möbel zurückgelassen hatte.

BEISPIEL-URTEIL (Aktz. 1 S 613/96): Beschränkt sich die oft obligatorische Bürgschaft der Eltern nicht ausdrücklich auf die Verbindlichkeiten des eigenen Kindes, müssen sie nach einem Urteil des Landesgerichts Kassel für die Mietrückstände selbst einer vielköpfigen Wohngemeinschaft aufkommen.

BEISPIEL-URTEIL (Aktz. 33 C 447/96-67): Das Amtsgericht Frankfurt verurteilte einen Studenten, rund 1.500 Euro an den als Hauptmieter auftretenden Vater eines Mitbewohners zu zahlen. Der Vater war auf Wunsch des Eigentümers als Treuhänder für die vierköpfige WG aufgetreten. Bei der vorzeitigen Auflösung der WG wollte einer der Studenten sich nicht an den Kosten beteiligen, die dem Hauptmieter entstanden waren. Das Gericht entschied, der Vater habe als Treuhänder im Interesse der WG gehandelt und deshalb Anspruch auf Kostenersatz.

Die Kündigung

Wenn der einzelne Hauptmieter kündigt, endet das Mietverhältnis für alle. Andererseits kann bei der Kündigung eines anderen WG-Mitglieds, das ja als Untermieter fungiert, leicht ein neuer Mieter in die WG einziehen. Sind die Zimmer möbliert (klassische Untermiete), ist dabei die Kündigungsfrist auf 14 Tage begrenzt. Die längeren gesetzlichen Kündigungsfristen gelten nur, wenn der Hauptmieter leere Zimmer an die Mitbewohner vermietet hat.

Sind aber alle Bewohner der WG als Hauptmieter in den Mietvertrag eingetreten, kann der Vermieter nur kündigen, wenn er allen WG- Bewohnern gemeinsam kündigt. Eine Kündigung einzelner WG-Mitglieder ist nicht möglich. Umgekehrt kann ein einzelnes WG-Mitglied in diesem Fall nicht einfach das Mietverhältnis für sich als beendet erklären.

Um zu vermeiden, dass sich die ganze WG auflösen muss, sollte die Gemeinschaft ein Auswechselrecht mit dem Vermieter vereinbaren, demzufolge ein Nachfolger aufgenommen werden darf.

BEISPIEL-URTEIL (Aktz. 5 S 143/99): Vermietet ein Wohnungseigentümer an eine WG und ist dabei von vorneherein vorgesehen, dass die Mitglieder dieser WG wechseln, entspricht es dem Vertragsinhalt, dass Mitglieder der WG ihre Entlassung aus dem Vertrag vom Vermieter verlangen können und zumutbare neue Personen in das Vertragsverhältnis aufzunehmen sind. So entschied das Landesgericht Heidelberg.

Die Abrechnung

Der Mietanteil berechnet sich nach der jeweiligen Quadratmeterzahl der Zimmer. Die Kosten für gemeinsam genutzte Räume wie Küche und Bad teilen die WG-Bewohner zu gleichen Teilen untereinander auf. Doch schon beim Strom ist es mit der Gerechtigkeit vorbei: Ein Abrechnungssystem, bei dem nur jeder das bezahlt, was er auch verbraucht, gibt es nicht. Die Stromkosten gleichmäßig auf allen Schultern zu verteilen ist die beste Methode.

Foto oben: db
Photography | Demi-Brooke

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Bild stammt aus der kostenlosen Bilddatenbank www.piqs.de

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