Späte Rache

19. Jahrhundert, New Mexiko. Der Sand ist überall, das Wasser knapp, das Leben knallhart. Doch das alles macht Jane nichts aus, solange sie nur mit Mann und der gemeinsamen Tochter in Frieden leben kann. Doch dann kommt ebendieser mit fünf Schusswunden im Rücken nach Hause und eines ist klar: Jemand aus ihrer Vergangenheit ist auf späte Rache aus …

Bomben bauen für den guten Selbstverteidigungs-Zweck. Bildautor: Jack English

Jane hat ein bewegtes Leben hinter sich: Ihr Mann zog in den Bürgerkrieg und kehrte Lange nicht zurück. Nach Jahren des Wartens macht sie sich auf zu neuen Ufern und gerät dabei in die Fänge des Bishop-Clans. Der sammelt auf seinen Reisen junge, alleinstehende Frauen ein – zu welchem zweck? Das erfährt Jane erst, als es fast zu spät ist. Doch sie kann fliehen. Zusammen mit ihrem Mann Bill lebt sie seither auf einer abgelegenen Farm im Wüstenstaat New Mexico. Die Schusswunden, mit denen Bill eines Tages auf die Farm zurückkehrt, sprechen eine deutliche Sprache: Bishop hat die Sache nicht vergessen und will Blut sehen! Da Bill wegen seiner Verwundungen nicht gerade in einer guten Position ist, wendet sie sich in ihrer Verzweiflung an ihren ehemaligen Verlobten, den vermeintlichen Kriegsheld Dan Frost, der eigentlich eher Lust hätte, den Mann von Jane um die Ecke zu bringen …

Die Kritik

Der Film steigt mitten in die Sache ein und es dauert ein paar Minütchen, bis man sich soweit orientiert hat und folgen kann. Diese Ausgangssituation wird nach und nach in Rückblicken erklärt – der Zuschauer springt also zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, während er auf den großen Knall wartet. Das Setting macht befangen: Das Publikum spürt die trostlose und trockene Einöde des wilden Westens, die trotz ihrer Weite klaustrophobisch wirkt. Die Verteidigung des Hofes ist verzweifelt und es bleibt nichts anderes als zu hoffen, dass die spärlichen Verteidigungsmaßnahmen gegen die Übermacht und den Blutdurst der Bishopbande ausreichen werden.

Der Film hat den Charakter eines Kammertheaters. Er kommt mit sehr wenig Personal aus und die komplette Handlung spielt sich beinahe ausschließlich zwischen Jane und Dan ab. Der kurze Showdown ist geschickt inszeniert – gesichtslose Angreifer in der Dunkelheit. Das erinnert an die Technik der Mauerschau aus dem klassischen Theater. Der Showdorn wird damit alles andere als ein oberflächliches Actionspektakel. Stattdessen hat die dargestellte Gewalt etwas Beengtes, Willkürliches und Unberechenbares.

Gerade weil man mit den Figuren von „Jane got a gun“ so sehr auf Tuchfühlung geht, ist es umso schlimmer, dass man sich bei ihnen nicht richtig wohl fühlt: Der Film krankt an seinen Charakteren. Sie überraschen nicht. Jane ist nur Mutter, der Kriegsrückkehrer nur zynisch und der verwundete Ehemann nur selbstlos: Der Film hätte doch einige weiche und heitere Momente vertragen können.

Zu den Bösewichten eine witzige Beobachtung: Je hässlicher eine Figur in „Jane got a gun“ ist, desto fieser ist sie auch. Rattengesichter werden von Faulzähnen abgelöst und geben den Blick frei auf halbseitig tätowierte Gesichter. Wenn die Charaktere ein wenig besser geschrieben wären, so wäre es gar nicht notwendig gewesen, ihre Gesinnung und Moral optisch so sehr sichtbar zu machen. Aber auch hier richtet sich der Film anscheinend nach dem klassischen Theater.

 

Florian Deichl & Bettina Riedel (academicworld.net)

JANE GOT A GUN

Darsteller
: Natalie Portman, Ewan McGregor, Noah Emmerich, Joel Edgerton
Regie: Gavin O’Connor

Ab dem 13. Mai als DVD, BluRay und VoD im Vertrieb von Universum im Handel erhältlich!

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